Heute

Fußweg unter der Gebsattelstraße

Fußweg unter der Gebsattelstraße

Auer Mühlbach heute

Viele Gewerbebetriebe siedelten sich an den von der Isar abgeleiteten Bächen an. Über Jahrhunderte hinweg wurde die Wasserkraft des Auer Mühlbaches als Antriebskraft für Mühlen und Schmieden genutzt. Gerbereien, Färbereien und Papierhersteller entstanden, sie benötigten große Wassermengen zur Produktion. Auch manches Feuer wurde mit dem Wasser aus den Stadtbächen gelöscht. Darüber hinaus diente der Auer Mühlbach zum Wäschewaschen und zur Entsorgung des Abfalls. Erst im letzten Jahrhundert verlor er vermeintlich seinen Nutzen und wurde wie viele Stadtbäche in München in den Jahren 1960 bis 1970 als Verkehrshindernis und Gefahrenquelle (speziell für spielende Kinder) angesehen. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts zogen teilweise Industriebetriebe weg von den Bächen und hin zu Bahnanschlüssen. Damit konnten sie nicht nur Kohle für die neuen Dampfkraftanlagen günstig beziehen. Die Bahn eröffnete auch neue Märkte.

Für die Stadt bedeuteten diese Stadtbäche natürlich auch eine finanzielle Belastung. Die zahlreichen Brücken und Stege mussten unterhalten werden. Auch waren immer wieder Sicherungs- und Räumungsarbeiten an den Bachläufen nötig. Ein weiterer Grund dafür, dass viele Bäche überbaut wurden. Teilweise wurden die Bachläufe sogar mit Magerbeton verfüllt.

Jetzt entdeckt man den Freizeit- und Erholungswert der Bäche. Gerade in der heutigen Zeit können Stadtbäche wieder als Energiespender dienen, allerdings in etwas anderer Form als früher. In unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten bietet ein fließender Bach jedermann die Möglichkeit, mitten in der Natur abzuschalten und Energie zu tanken.
Das Baureferat (Abteilung Wasserbau) stellte bereits 1964 fest: Die Stadtbäche haben im Wandel der Zeiten ihre einstmalige Bedeutung weitgehend verloren. "Aus geschichtlicher Perspektive gesehen aber ist der Anteil der Stadtbäche an der Entwicklung unserer Stadt nicht zu übersehen und mit ihrem allmählichen Verschwinden wird ein weiteres Stück echte Münchner Besonderheit der modernen Zeit weichen."

Und so wurden zwischen 1960 und 1970 noch einmal von den noch vorhandenen rund 17,5 km Bachläufen 12 km aufgelassen, u. a. für den Ausbau der U-Bahn. Für die Ablösung der Wasserrechte wurden 8,8 Mio. DM und für die Kosten der Auflassung etwas über 6 Mio. DM ausgegeben. Wie dies damals begründet wurde, kann im Buch "Bauen in München 1960 bis 1970", herausgegeben vom Baureferat, nachgelesen werden: Begründung zur Auflassung der Stadtbäche.

Ob dies wirklich nötig war, bezweifelte das Münchner Forum. "Vollends an Manipulation grenzte es, als behauptet wurde, dass die Beibehaltung der Stadtbäche zu einer wesentlichen Verteuerung des S- und U-Bahnbaues geführt hätte. Das konnte man nur einem Stadtrat weismachen, dem man gleichzeitig verschwieg, dass die unterirdischen Verkehrsmittel auf fast ganzer Länge im Grundwasser liegen und dass auch während ihrer Bauzeit jeder einzelne Bach (im Gegensatz zur Isar) durch einfache Schiebertätigkeit total trockengelegt werden konnte."

Langsam begann ein Umdenken. 1981 erkannte der Stadtrat die Bedeutung von fließendem Wasser für den Lebensraum Stadt. Daher beauftragte er das Planungs- und Baureferat, ein Konzept für die Wiederbelebung der Stadtbäche zu erarbeiten.

Fließgewässer im städtischen und stadtnahen Bereich besitzen einen hohen und vielfältigen Stellenwert. Ihre Bedeutung für Stadtplanungen, Landschaftsbild und in zunehmendem Maße auch die Naherholung ist für das Münchner Stadtgebiet unbestritten und wurde auch im Stadtentwicklungsplan 1983 fixiert: "Oberflächengewässer sind wegen ihrer großen Bedeutung für den ökologischen Ausgleich und die Erholung der Bevölkerung naturnah zu erhalten bzw. zu gestalten und insgesamt zu vermehren. Ihre Wasserqualität ist zu verbessern". Das Umwelt- und Naturbewusstsein war seit den 70er Jahren gestiegen und man hatte erkannt, dass fließendes Wasser das Stadtklima verbessert.

Nachdem man den Erholung-, Freizeit und Ökologiewert der Stadtbäche entdeckte, beschloss der Bauausschuss in seiner Sitzung am 16. November 1999 die Öffnung des Auer Mühlbaches "Am Neudeck" zusammen mit der Erneuerung der Straßenbrücke Ohlmüllerstraße/Am Nockherberg. Bereits 1988 hatte der Stadtrat die Herstellung des Fußweges entlang des Baches vom Joseph-Holzer-Weg zur Taubenstraße beschlossen. Aus finanziellen Gründen war eine frühere Realisierung aber nicht möglich. Im Jahr 2000 begannen dann die Bauarbeiten.

Am Gebsattelberg wurde der Auer Mühlbach schon früher geöffnet. Ein kleiner Fußweg führt nun unterhalb der Gebsattelstraße zur Quellenstraße.

Bis jetzt noch ein Traum: ein Fußweg von der Taubenstraße bis zum Gasteig entlang des Auer Mühlbaches. Dazu müsste einerseits vom Neudeck in Richtung Taubenstraße und andererseits in Richtung Gebsattelberg der Fußweg für die Öffentlichkeit fortgesetzt werden. Eine Öffnung des Baches dazu wäre nicht mehr nötig, denn hier fließt er oberirdisch. Auch eine Unterführung der Ohlmüllerstraße gibt es bereits.

Der Bezirksausschuss 5 Au-Haidhausen hatte im Juni 2006 gefordert, dass endlich mit der Planung des Weges begonnen werde. Im November 2006 teilte die Stadt dann mit, dass sie sich für die Freigabe des privaten Grundstücks der Armen Schulschwestern stark machen will. Das Baureferat will sich zusammen mit beteiligten Dienststellen beim Provinzialat besprechen. Wir verfolgen die Entwicklungen weiter und berichten.

Juni 2006: Fußweg zum Auer Mühlbach soll saniert werden

"Eine Stolperfalle sieht der Bezirksausschuss Au-Haidhausen in dem öffentlichen Fußweg, der südlich des Paulaner-Geländes zum Auer Mühlbach führt. Einstimmig wurde ein entsprechender SPD-Antrag unterstützt. Darin wird das Baureferat aufgefordert, den Fußweg zu sanieren und ausreichend zu beleuchten. "DieserWeg ist in einem äußerst bedenklichen Zustand", begründete Alexander Spickenreuther (SPD) die Forderung,
"die aufgebrochene Asphaltoberfläche stellt eine Unfallgefahr dar". Zudem fehle es an Lampen, seit ein Grundstückseigentümer seine Laternen im Zuge einer Modernisierung abgebaut habe." (Aus der SZ vom 16. Juni 2006)

Ein weiteres Wasserkraftwerk entsteht am Auer Mühlbach, und zwar an der Zellstraße bei der Muffathalle. Die Idee dazu ist im "Bündnis für Ökologie" entstanden.

www.muenchen.de/buendnis-fuer-oekologie

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