Justizvollzugsanstalt

Am Neudeck 10 und 12

Am Neudeck 10 und 12

Durch die vorhandene Wasserkraft des Auer Mühlbaches war das Gebäude (ehemaliges Kloster der Paulaner) besonders geeignet für einen industriellen Betrieb, wie man ihn damals für Strafarbeitshäuser einführte. Möglichst große und vielseitige Tätigkeiten der zu "Bessernden" war das Hauptprinzip dieser Häuser. 1807 wurde dann eine Wollgarnspinnerei und eine Tuchfabrikation eingerichtet. Die Leitung hatte Herr Freiherr von Weveld. Sie galt als ein hervorragendes Muster einer modernen Besserungsanstalt. 1901 wurden die Sträflinge in das bayerische Zentralzuchthaus für Männer, nämlich Straubing, verlegt.

Laut einem Dokument vom 9. Juli 1889 hatte das Zuchthaus folgende Gebäude:
Färberei, Tuchwalke, Gewächshaus, Einzelhaftgefängnis, Radstube, Hauptgebäude des königl. Zuchthauses

Das heutige Gebäude (lang gestreckter neoklassizistischer Bau) entstand in den Jahren 1902 bis 1904. Darin befand sich eine Frauen- (Am Neudeck 10) und eine Jugendarrestanstalt (Am Neudeck 12). Von den insgesamt 1.503 Münchner Haftplätzen, befinden sich 124 Haftplätze in diesem Gebäudekomplex (72 in der Frauenabteilung und 52 in der Jugendarrestanstalt; diese teilen sich wiederum in 43 männliche und 9 weibliche Arrestantenplätze).
In der Frauenabteilung wird in der Regel die Abschiebehaft, die Untersuchungshaft, sowie eine Kurzstrafhaft im Erstvollzug verbüßt. Der Jugendarrest gliedert sich in Freizeit- und Kurzarrest bis zu 2 Tagen, sowie Kurzarrest von mehr als 2 Tagen und Dauerarrest.
Die Gefängniszellen liegen alle in Richtung Hof, so dass es den Gefangenen nicht möglich ist, den Auer Mühlbach zu sehen.
Die durchschnittlichen Haftkosten für einen Gefangenen betrugen in Bayern 1999:
Tages-Haftkosten: 106,67 DM
Baukostensatz: 13,26 DM
Insgesamt also: 119,93 DM

2011 wurde das Grundstück vom Freistaat Bayern an einen privaten Investor verkauft.

1862 und 1870

"...Das Zuchthaus liegt südlich an der oberen Spitze der Vorstadt Au, am Fuße des Giesinger Berges, welcher südöstlich nahe der Anstalt aufsteigend, sich in der Jsar-Uferhöhe längs derselben in unmittelbarer Nachbarschaft fortsetzt. Die Uferhöhe, auf welcher mehrere Wohnhäuser liegen, überragt das Gebäude des Zuchthauses bedeutend, so daß der freie Zutritt der Winde, namentlich des Ostwindes, dadurch förmlich abgesperrt ist und nur die Westwinde freien Zutritt haben. Ehemals ein Paulaner-Kloster, erhielt die Anstalt ihre gegenwärtige Bestimmung im Jahre 1807... Am Fuße des Neudecker- und Giesinger-Berges sind 4 Brunnenstuben, welche das Trinkwasser für die Brunnen der Strafanstalt liefern. Hiedurch und durch mehrere Pumpbrunnen hat die Anstalt hinreichendes und gesundes, wenn auch ziemlich kalkhaltiges Trinkwasser. Die Kanäle, welche die Anstalt umströmen, find für Erhaltung der allgemeinen Salubrität und Reinlichkeit, namentlich bezüglich der Abtritte, von großer Bedeutung... Das Zuchthaus besteht aus dem Hauptgebäude, mehreren Nebengebäuden, Hofräumen und zwei Gärten und ist großentheils von einer 20 Zoll hohen Mauer umschlossen. Das Hauptgebäude ist das ehemalige Kloster mit einer über einer Stiege gelegenen kleinen Kirche. Die vorzüglichsten Nebengebäude sind ein mit dem Hauptgebäude verbundener, theilweise parallel geführter Anbau, wodurch ein innerer und äußerer Hof gebildet wird, dann das nach allen Seiten frei stehende Krankenhaus, endlich die Zellenabtheilung. Die ganze Anstalt mit allen Localitäten bietet, wenn sanitätische Regeln beachtet werden, ausreichenden Raum für 400 500 Strafgefangene ... Von den 513 Gefangenen am 17.11.1862 waren ... einer mit lithographischen und einer mit Buchbinderarbeiten beschäftig." usw.

Zu den damaligen Haftbedingungen der Züchtlinge, wie sie genannt wurden, schreibt das Schweinfurter Tagblatt vom 07.05.1870: "...Die Cigarrenarbeiter, Schneider und Genossen haben sich beim Reichstage über die ihnen aus der Beschäftigung der Zuchthausgefangenen erwachsene Concurrenz mit dem Vorgeben beschwert, daß dieselbe ihre pekuniäre Stellung im höchsten Grade schädige, und daß auch andere schwer ins Gewicht fallende Unzuträglichkeiten hierdurch herbeigeführt würden. Wer einen Einblick in das Gefängnißwesen besitzt, wird zugestehen müssen, daß kaum eine andere Verwaltung mit solchen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, als die Zuchthausadministration, und daß unter den mancherlei Schwierigkeiten, die hierbei zu überwinden sind, die Beschaffung einer angemessenen und auslänglichen Beschäftigung für die Gefangenen obenan steht. Daß die letzteren zur Arbeit angehalten werden müssen, darüber herrscht keine Meinungsverschiedenheit. Es ist dies im Interesse der Moral, der Gesundheit und der Ordnung unerläßlich geboten. Wie die Scheu vor der Arbeit eine Hauptquelle des Verbrechens ist, so kann der Gefangene nur durch die Angewöhnung zur Arbeit und durch die strenge Zucht einer stetigen und regelmäßigen Thätigkeit der Besserung zugänglich gemacht werden. Aus dem Mangel an genügender Beschäftigung entspringen die größten sittlichen Nachtheile für die Gefangenen, und ohne dieselbe ist die Disziplin und Ordnung in den Anstalten nicht aufrecht zu erhalten. Der Sträfling hat auch in gewissem Sinne ein Recht auf Arbeit; denn die Entziehung derselben wäre eine harte und ungerechtfertigte Verschärfung der Strafe und würde nicht allein die geistige, sondern selbst die körperliche Verkümmerung und Auflösung der Gefangenen zur Folge haben. Das Fehlen einer ausreichenden Beschäftigung für dieselben ist daher für die Strafanstalten eine wahre Calamität, und jeder gewissenhafte Gefängnißbeamte ist auf das Eifrigste bemüht, den Eintritt derselben zu verhindern..."

General-Bericht über die Sanitäts-Verwaltung im Königreich Bayern, Band 3, 1868, Seite 206, mit weitergehender ausführlicher Beschreibung der Räumlichkeiten, https://books.google.de

Vielen Dank an Herrn Dietger Braun aus Borchen, der uns diesen Textbeitrag zur Verfügung gestellt hat.

Zuchthaus München Au

Zuchthaus München Au

Am 1. Juli 1901 wurde das Zuchthaus Au-München nach Straubing verlegt. Am linken Bildrand sieht man die Gebäude des ehemaligen Jagdschlosses. (Foto: Archiv Freunde der Vorstadt Au)

1933- Düstere Vergangenheit

Das ehemalige Frauen- und Jugendgefängnis hat eine düstere Vergangenheit. Die neueste Auswertung der Polizeiarchive habe zutage gefördert, dass die Nationalsozialisten ab 1933 politische Gegner des Regimes in der Haftanstalt in Gewahrsam genommen haben. Viele Inhaftierte seien einfache Bewohner aus der Umgebung gewesen. Die linke Landtags- und spätere Stadtratspolitikerin Rosa Aschenbrenner war 1933 nach der politischen Gleichschaltung durch die Nazis eine der Ersten, die in Neudeck in so genannte "Schutzhaft" genommen wurde. Auf der Liste der Gefängnisinsassen hier am Neudeck befinden sich weitere bekannte Namen wie etwa Alexander Schmorell und Kurt Huber, die als Mitglieder der Widerstandsbewegung Weiße Rose 1943 in der Haftanstalt Stadelheim hingerichtet wurden.

1918 wurde der spätere Bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner wegen seiner Beteiligung am Januarstreik mit den Forderungen "Frieden und Brot" zu einer mehrmonatigen Haftstrafe im "Gefängnis Neudeck" verurteilt.

1979

Originaldokumente der Jugendarrestanstalt aus dem Jahre 1979:

Ladung zum Antritt des Jugendarrestes vom 22.05.1979 Seite 1 und Seite 2

Speiseplan Krankenkost vom 02.07. bis 08.07.1979

Speiseplan Normalkost vom 02.07. bis 08.07.1979

2007: Das Gefängnis zieht aus

In der JVA an der Stadelheimer Straße entsteht eine neue Abteilung, hier wird gleich neben der Hauptanstalt ein neues Frauengefängnis und eine Jugendarrestanstalt errrichtet. Am 23. Mai 2007 wurde der Grundstein gelegt, schon am 16. Oktober 2007 soll der Anbau fertig gestellt sein. Auf dem rund 9.000 qm großen Grundstück, früher Sitz der Verwaltung der US-Streitkräfte, entstehen 160 Haftplätze für Frauen und 60 Arrestplätze für Jugendliche.

Im bisherigen Gefängnis "Am Neudeck" stehen - noch - 74 Plätze für Frauen und 52 für Jugendliche zur Verfügung.

"Biss", so die Geschäftsführerin Hildegard Denninger, will aus dem Knast ein modernes Vier-Sterne-Hotel mit 66 Zimmern machen. Es soll bis ca. 2010 fertig gestellt werden und dann für 44 Jugendliche, die sonst keine Chancen auf dem Ausbildungsmarkt haben, einen Ausbildungsplatz bieten.

Allerdings fehlen noch rund drei Millionen Euro, die der Verein bis 31.12.2009 als Eigenkapital benötigt. Nur dann bestehen Aussichten auf einen 13-Millionen-Kredit für den Kauf des Grundstücks und den Umbau vom Gefängnis zum Luxushotel.

Auf einer eigenen Internetseite stellten die Initiatoren das Projekt vor und sammelten "online" Spenden. Immerhin kamen bis Ende Mai 2007 bereits über 17.000 Euro zusammen.

Der CSU und FDP Politiker des Haushaltsausschusses des Bayerischen Landtags beschlossen im Mai 2010 den Verkauf des Grundstücks. Die gemeinnützige Straßenzeitung BISS plante, die Gebäude in ein Hotel gehobener Qualität umzubauen, das gezielt jungen Menschen aus sozial schwierigen Verhältnissen eine Ausbildung anbieten sollte. Die Initiatoren befürchteten aber trotz Unterstützungszusagen seitens der Stadt München zutreffenderweise, dass ihr Konzept bei einem freien Verkauf gegen finanziell stärkere Interessen keine Aussicht hat.

Der Zuschlag für das Grundstück ging 2011 für 16 Millionen Euro an eine russisch-britische Investorengruppe, die Immobiliengesellschaft REC24 Real Estate. Geplant war eigentlich ein Studentenwohnheim. Bis jetzt ist nichts passiert außer als Zwischennutzung ein paar Kunst- und Kulturveranstaltungen stattfanden.

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