Neudecker Garten

Der Neudeckergarten und seine Gärtner

Hochzeit im Neudecker Garten in der Au

Hochzeit im Neudecker Garten in der Au

Leinwand, 178,0:220,0 cm. Signiert und datiert links unten: P. Horemans 1747.: Privatbesitz. (Foto: Archiv Freunde der Vorstadt Au)

Die hier dargestellte Hochzeit ist nicht eine der bei Hofe aufgeführten Bauernhochzeiten, sondern wurde sicher im 1747 oder davor im Neudecker Garten gefeiert. Der Tracht nach gehören die Teilnehmenden, vor allem das am rückwärtigen mittleren Tisch sitzende Brautpaar, das durch die Blumensträußchen gekennzeichnet ist, zum guten Bürgertum oder niederen Adel. Die Perücken der Musiker links neben dem turmartigen Gebäude, aber auch die der anderen Teilnehmer sprechen eher für eine adelige Hochzeitsgesellschaft. Die Kostüme der Bediensteten stammen teilweise aus Bayern, teilweise aus Flandern, wie etwa das Mädchen mit dem weißen Schleier über dem Kopf, das von rechts kommend zu der Hochzeitsgesellschaft schreitet und identisch ist mit demjenigen links neben der Zuschauertribüne auf dem Amalienburger Damenkarussell. Der Neudecker Garten gehörte zum Paulaner-Kloster in der Münchner Au. Charakteristisch für das Kloster und die Kirche St. Karl Borromäus, die 1803 teilweise abgetragen worden ist, war der Turmabschluss in Form eines Pfaffenbiretts. An der Stelle des Klosters steht heute das Landratsamt München. Der Bach rechts ist der Auer Mühlbach und die Erhebung links der Nockherberg.

Als Herzog Albrecht VI. im Juli 1666 starb, schlug Maximilian Heinrich seinem Bruder Albrecht Sigmund den Verzicht auf "Neudeck" vor, da es wegen der immensen Unterhaltskosten nicht rentabel wäre. Es sollte lieber dem kurfürstlichen Haus vorteilhaft offeriert werden. Doch zunächst kamen die "Paulaner" in den Besitz des "Neudeck-
Gartens"
, obwohl es unsicher war, ob nicht einer der beidenBischöfe "Wieder zu Land käme . Schließlich gab es im Jahr 1658 konkrete Überlegungen für eine Heirat des
Bischofs Albrecht Sigmund, da die Ehe des Kurfürsten Ferdinand Maria mit Henriette Adelaide lange Zeit keinen Thronfolger hervorbrachte. Erst mit der Geburt des Kurprinzen
Max Emanuel zerschlugen sich diese Planungen.

Die "Paulanerpatres" hatten den Garten noch kein Jahr, bis sie merkten, dass die Unterhaltskosten die dafür ausgesetzte Summe von 500 fl. weit überstiegen und wollten
den "Neudeckergarten" schnellstens abstoßen. In einer Eingabe an Kurfürst Ferdinand Maria baten sie um Umschreibung der 10.000 Gulden "Ewiggeld" zu einem "Fundationskapital"für die Unterhaltung ihrer "Carl-Borromäus-Kirche"
und des "Convents". Diesem Begehren wurde anno 1668 stattgegeben und so konnte seither die Landesherrschaft zwar den "Garten in Neudeck" genießen, musste dafür aber
auch alle Unterhaltungskosten des "Neudeckergartens", der "kurfürstlichen Fischerei", der "Wasserwerke" und der dazugehörigen Gebäude selbst tragen. Den kurfürstlichen Hof
zog es mehr in das neuerbaute "Nymphenburg" - und damit war "Neudecks" Glanzzeit vorbei.

Der "Neudecker Hofgarten" sank auf die Stufe der übrigen "Hofgärten" und schließlich auf die eines "Hofküchengartens" herab. Das "Hofbauamt" versuchte zwar die Bauanlagen zu erhalten, ließ eigens einen "Wasserkünstler" kommen und das "Brunnwerk" und die Wasserführung unter die Aufsicht eines "Brunnwarts" stellen, doch die bewilligten Mittel reichten bei weitem nicht aus. Die Baulichkeiten wurden ruinös, so dass im Jahr 1687 bereits kleinere Gebäude zusammenstürzten. Einen Freudentag erlebte "Neudeck"
noch, als Kurfürst Max Emanuels erste Gemahlin Maria Antonia im Jahr 1690 das neue "Pomeranzenhaus" besichtigte und im "Grünen Haus" speiste. Emsig wurde zuvor
alles in einen guten Zustand versetzt.

Für gewöhnlich aber herrschten im "Neudeckergarten" seit mehr als einem Jahrzehnt fast uneingeschränkt die "Hofgärtner". Der erste "Hofgärtner" unter Herzog Wilhelm V.
war Cosmos Denk, dem der "Neudecker Garten" seine gärtnerische Ausgestaltung verdankte. Als Denk alt und dienstunfähig wurde, überließ man ihm im Jahr 1624 einen sechzig Fuß langen und vierzig Fuß breiten Grund in der Nähe der "Neudecker Residenz", zur Erbauung eines Häuschens.

Sein Nachfolger Georg Oeffner war der Stammvater der später berühmten Effner. Anno 1668 wurde sein zweiter Sohn Christian "Hofgärtner in Neudeck". Er heiratete die
Tochter Marie des benachbarten "Hoffischers" Gebhard und bekam im Jahr 1670 den "Dachauer Hofgarten". Sein Sohn wiederum war der später so bekannte Baumeister französischerSchule unter Kurfürst Max Emanuel. Kurfürst Ferdinand Maria setzte Johann Georg Preitenbach aufgrund seiner internationalen Gartenbauerfahrungen als "Hofgärtner"
in den "großen Hofgarten". Auf Abbildungen des großen Hof- und Lustgartens damaliger Zeit kann man seine "Gartenbaukunst" noch bewundern. Als unter Max Emanuel
jedoch französischer Geschmack in Mode kam, versetzte der Kurfürst den Gärtner nach "Neudeck".

Die schlecht entlohnte Stelle des "Neudecker Hofgärtners" machten zusätzliche Vergünstigungen und Nebeneinnahmen einträglich; so durfte Preitenbach im "Schlossgarten" Weißbier ausschenken. Er nutzte dieses Recht und verschleißte
das Bier wie ein Wirt, bis sich anno 1690 die "kurfürstliche Baudirektion" zu heftiger Klage veranlasst sah, dass "allerhand gemein Leut in den Garten kommen, dort
mit Scheibenschießen, Tanzen, Kegelscheiben, Paschen und Zechereien sich verlustieren, sogar in den vorhandenen Zimmer des Schlosses eingelassen werden, deren Öfen und
Fensterstöcke die angeheiterten Gäste ruinieren"
. Auch die "Paulaner" klagten über den Lärm und das Geschrei der Zecher. Preitenbach erhielt einen Verweis und die Beschränkung seines Bierausschanks auf ein Achtel. Außerdem durfte er nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung einen "Gildentag für Cavaliere und wirkliche Herren Räte", nicht jedoch für gemeine Leute, abhalten. Da der Ertrag des Gartens weit hinter den Kosten zurück blieb, erwog man seine Auflassung. Als Kompromiss wurde Preitenbach die
Besoldung, der Garten, die Wohnung und die Bierzäpflerei überlassen. Als Gegenleistung musste er aber die Kosten für die Unterhaltung des Gartens, der Gebäude und des
Wasserwerks selbst tragen. Anno 1699 bekam Martin Preitenbach den Garten zu gleichen Konditionen zugeteilt.

Die Machtgeilheit Kurfürst Max Emanuels führten zur Besetzung Baierns durch die Österreicher. "Das Geld floß ins Ausland, die Armut und vermehrter Unterthanendruck blieb im Lande , weshalb sich zahlreiche Bettlerfamilien in derAu niederließen. Gerichtsherr Prielmayr sollte scharfe Aufsicht halten, wohnte aber in München und musste deshalb
ins notdürftig renovierte "Grüne Haus" in der Au umziehen. Als Prielmayr an den "Brüsseler Hof" ging, bezog sein Nachfolger Allmayer das Auer "Schlößl". Sein Aufenthalt
in der Au war jedoch nur von kurzer Dauer. Wegen der zahlreich eingehenden Beschwerden über seine Söhne konnte der Jurist seine Wohnung bald wieder in der
Stadt nehmen. Das ruinöse, ehemalige "Hofmarkschloss" wurde für andere Zwecke gebraucht: Als im Jahr 1712 Bedarf an "Lazaretträumen" für die österreichischen Truppen
bestand, musste das "Gnadenhaus vor dem Sendlingertor" und das "Seidenhaus auf dem Anger" geräumt werden, um es in ein "Krankenhaus" umzuwandeln. Die dreiundzwanzig "Armen" und der im "Seidenhaus" wohnende "Tuchmachermeister" mit seinen Leuten erhielten seither Unterkunft im "Grünen Haus".

Als im Jahr 1715 der Hof die Instandhaltung des Gartens wieder selbst übernahm, zeigte man sich dort über die vielen armen Menschen erstaunt und schaffte sie umgehend ins "Gnadenhaus" zurück. Nun wurden die Gebäude des Jagdschlösschens provisorisch ausgebessert und an so genannte "Inleute" vermietet. Im Jahr 1719 starb Martin Preitenbach. Die Witwe Elisabeth behielt die Gärtnerstelle "gegen Stellung
eines tauglichen Subjekts"
, das sie in der Person eines früheren Lehrjungen, des Bürgersohns Antoni Reiter, fand. Als Reiter starb, kamen sofort Angebote von Gärtnern,
die eine der Preitenbach schen Töchter "auf den Dienst" heiraten wollten. Anton Mathies Prugger wurde erhört, heiratete Rosina Preitenbach und wurde so - der letzte - "Hofgärtner in Neudeck". Auch Anton Mathies Prugger übte sein Recht, Weißbier aus dem "Weißen Hofbräuhaus" am Platzl auszuschenken, aus.

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