Wiederöffnung

Gründe für die Öffnung

Nachdem man den Erholung-, Freizeit und Ökologiewert der Stadtbäche erkannt hatte, beschloss der Bauausschuss in seiner Sitzung am 16. November 1999 die Öffnung des Auer Mühlbaches "Am Neudeck" zusammen mit der Erneuerung der Straßenbrücke Ohlmüllerstraße/Am Nockherberg. Bereits 1988 hatte der Stadtrat die Herstellung des Fußweges entlang des Baches vom Joseph-Holzer-Weg zur Taubenstraße beschlossen. Aus finanziellen Gründen war eine frühere Realisierung aber nicht möglich.

Es gab aber noch einen weiteren Grund für die Öffnung der Auer Mühlbaches "Am Neudeck" und der Erneuerung der Straßenbrücke. Wegen irreparabler Korrosionsschäden war die Straßenbrücke Ohlmüllerstraße/Am Nockherberg inzwischen dringend sanierungsbedürftig. Schon seit 1992 durften nur noch Fahrzeuge bis 3 Tonnen Gesamtgewicht die Brücke befahren. Die Straßenbahn musste ihre Geschwindigkeit verringern, keinesfalls durften sich zwei entgegenkommende Straßenbahnen auf der Brücke treffen. Mit hölzernen Hilfsunterstützungen konnte die Belastung zwar wieder auf 12 Tonnen erhöht werden. Um die Sicherheit aber endgültig gewährleisten zu können, war eine Totalerneuerung unabdingbar. Auch die Straße "Am Neudeck", unter der der Auer Mühlbach floss, war seit 1992 für den Kraftfahrzeugverkehr in weiten Bereichen gesperrt. Schon bald hätten auch Fußgänger wegen Einsturzgefahr diesen Weg nicht mehr benützen dürfen.

Es gab also zweierlei Gründe für die Öffnung des Auer Mühlbaches "Am Neudeck". Einerseits musste die Sicherheit für den fließenden Verkehr und der Fußgänger wiederhergestellt werden und andererseits hatte ein Wandel in der Stadtplanung stattgefunden. Das Umwelt- und Naturbewusstsein war seit den 70er Jahren gestiegen und man hatte erkannt, dass fließendes Wasser das Stadtklima verbessert.

Links vorne ist der um 1900 noch offene Auer Mühlbach deutlich zu sehen, ca. 4 Jahre später verschwand er - bis heute.
(Foto: Archiv Freunde der Vorstadt Au)

Rechts ist noch die Bebauung am Hang erkennbar, ein Haus davon (das blaue auf den aktuellen Fotos unten) steht heute noch. Das Bild zeigt den Festzug zum 325jährigen Jubiläum der "Auer Zimmerer" im Jahre 1931 am Neudeck auf dem überwölbten Auer Mühlbach.
(Foto: Archiv Freunde der Vorstadt Au)

Bauherren

Bauherr: Landeshauptstadt München, Baureferat

Projektleitung: Landeshauptstadt München, Baureferat Tiefbau/Gartenbau

Gestaltung: Baureferat Hochbau, Gestaltung öffentlicher Raum mit Will und Valena (Architekten) und Mahl-Gebhard (Landschaftsarchitekten)

Ingenieur- und Straßenplanung: Ingenieurbüro Kaltenecker


Die beiden Architekten Tomás Valena und Thomas Will befassten sich bereits 1983 in einem Studentenprojekt der Technischen Universität München "Der Auer Mühlbach Architektonisches Entwerfen als Interpretation des Ortes" mit der Gegend am Auer Mühlbach: "Warum und zu welchem Zweck haben wir uns mit diesem im Bewusstsein des Münchners wenig signifikanten, ja nahezu unbekannten Gebiet am Auer Mühlbach beschäftigt? Die Gründe waren zweierlei: Zunächst einmal hatten wir ein entwurfsmethodisches Anliegen und suchten nach einem geeigneten Ort, um es zu verwirklichen. Später dann, als wir im Laufe der Bearbeitung die Qualitäten und das verdeckte Potential des Gebietes kennen und schätzen gelernt haben, wurde dieses Gelände selbst mehr und mehr zum Antriebsmotor des Projektes. Es war letztlich die außerordentliche, für München wohl einmalige Komplexität dieses Gebietes, die unsere Auswahl bestimmt hat: Da ist die bewegte Topographie, das Isarhochhufer mit seinen scharfen Kanten am Übergang zur Au und zur Hochfläche. Einer der letzten frei fließenden Stadtbäche begleitet hier die Hangstufe und bildet zusammen mit dem Hanggrün einen wertvollen städtischen Freiraum im Anschluss an die Isar."

Einer der Ideen, die in diesem Projekt entwickelt wurden, war ein "Unheimlicher Weg". Ein Labyrinthgarten neben der Neudeckstraße sollte entstehen, der mit farbigen Platten belegt, den unterirdischen Bachlauf abbildet. Die Studenten machten sich aber auch Gedanken darüber, wie der Weg durch das Klostergelände führen könnte, ohne die Privatsphäre und Ruhe des Klosters zu beeinträchtigen. Dieses Problem lösten sie z. B. mit einem Wasserweg: Das Klostergrundstück wird mit einem mittig in den Bach gesenkten Weg passiert.

Das Gelände "Am Neudeck" beschrieben die Studenten wie folgt: "Am Neudeck beginnt der heute von Bebauung freigehaltene Grünzug entlang der Isar-Hangkante. Der Mühlbach fehlt jedoch gerade an dieser Stelle: er verschwindet südlich der Nockherbergstrasse, auf Brauereigelände, mit Getöse im Untergrund und bleibt über die gesamte Länge der Neudeckstraße überdeckt. Insofern ist die Zugangssituation untypisch für das Gebiet und wirkt eher belanglos. Auffallendstes Merkmal ist der Kontrast zwischen der strengen, linealgeraden Gefängnisfassade und der geschwungenen, tief gestuften Kante der Hangvegetation."

 Auszug aus dem Plan

Auszug aus dem Plan

für die Öffnung des Auer Mühlbaches

Öffnung

Im Jahr 2000 begannen die Bauarbeiten. Der Auer Mühlbach wurde über ein provisorisches Gerinne in den nördlichen Teil des alten Bachbettes umgeleitet. Dieses Provisorium war notwendig, um die Bachsperrzeiten und damit auch die Kosten auf ein Minimum zu beschränken. Durch den Auer Mühlbach wird an drei Kraftwerken (Kraemer"sche Kunstmühle, Bäckermühle und Maxwerk) Energie erzeugt. Für Zeiten, in denen nicht die volle Wassermenge zur Verfügung gestellt wird, müssen durch vertragliche Verpflichtungen - Ausgleichszahlungen an die Kraftwerksbesitzer gezahlt werden. Insgesamt 29,5 Wochen wurde der Auer Mühlbach während der Bauarbeiten gedrosselt bzw. gesperrt. Als Entschädigung an die Kraftwerksbetreiber wurden 105.000 Euro gezahlt.

Während der Sperrung hatten die Bauarbeiter mit einer Restwassermenge von 0,8 Kubikmetern zu tun, da der Auer Mühlbach nicht nur durch die Isar, sondern auch durch zahlreiche Hangquellen in seinem Verlauf gespeist wird. Auch die Tierparkverwaltung musste vor jeder Sperrung informiert werden, da der Auer Mühlbach dort zum Schutz der im Bach stehenden Flamingos gegen Füchse dient.

Der Bach wurde "Am Neudeck" zehn Meter auf die andere Straßenseite zur Grünanlage verlegt, denn der Auer Mühlbach verlief sehr nahe an der Jugendarrestanstalt. Vieles war also bei den Bauarbeiten zu berücksichtigen. Die Baugrube für das Gerinne musste hangseitig durch eine rückverankerte Spundwand gegen den Erd- und Hangdruck gesichert, das zuströmende Grundwasser von der Baugrube abgehalten werden. Etliche Zufahrten und Zugänge waren während der Arbeiten ständig aufrechtzuerhalten, z. B. zur Justizvollzugsanstalt. Auch an die Ökologie wurde gedacht: Der Bach fließt zwar wieder in einem Betongerinne, dieses wurde aber mit Kies gefüllt, so dass sich Kleinstlebewesen ansiedeln können.

Die Gesamtkosten für die Erneuerung der Straßenbrücke Ohlmüllerstraße im Bereich Nockherberg und die Öffnung des Auer Mühlbaches "Am Neudeck" beliefen sich auf knapp 6 Millionen Euro.

Bauchronologie

Überwölbung

Die Nockherbergregulierung und die Überwölbung des Auer Mühlbaches

Der Nockherberg war sehr schwer zu befahren. Wegen der 14-prozentigen Steigung des Nockherberges endete auch die Pferdebahnlinie am Mariahilfplatz. Die "Freie Vereinigung des 16. und 17. Stadtbezirks", ein Vorläufer der heutigen Bezirksausschüsse, pochte deshalb auf einen Ausbau des Nockherberges , der dann zwischen 1904 und 1905 reguliert wurde. Ab 1905 fuhr dann die Straßenbahn den Nockherberg hinauf.

Bei der Umgestaltung des Nockherberges gab es dann Schwierigkeiten. In einer Versammlung des Bezirksvereins des 17. Stadtbezirks am 10.09.1904 wurde scharfe Kritik an der Regulierung des Nockherberges geübt. "Der Nockherberg sei bereits völlig verhunzt, weshalb die Auer Bevölkerung nur noch vom Irrgarten am Nockherberg spreche. Es gehe nichts vorwärts und komme nichts in Ordnung. Zuerst war die Straßenbreite mit 16 m projektiert worden und dann wurde sie trotz der bestehenden Verträge auf 18 Meter erweitert."

Auch mit der Paulanerbrauerei mussten viele Diskussionen geführt werden. Die Brauerei erklärte sich bereit, eine Treppe zu ihrem Anwesen in Beton auszuführen und einen Hang, über den ein Serpentinenweg führte, unentgeltlich an die Stadt abzutreten. Dafür wollte sie aber von dieser einen Zuschuss in Höhe von 20.000 Mark zum Umbau des Kellerhauses haben. Die Stadt dagegen beabsichtigte, den Hang zum Preis von 50 Pfennig pro m2 von Paulaner zu kaufen und ging dabei davon aus, dass der Hang für die Brauerei sowieso wertlos sei. Außerdem verband sie die Hoffnung, dass die Brauerei das dafür bekommene Geld ausgab, um die Treppe nicht in Beton sondern in Nagelfluh auszuführen. Man war sich aber nicht einmal über die Größe des Hanges einig. Die Brauerei schätzte die Fläche auf 15.409 m2; das Baureferat der Stadt München ging dagegen von einer Größe von 14.862 m2 aus.

Doch dann fand man eine andere Regelung. Die Paulanerbrauerei wollte den in ihrem Besitz befindlichen Hang nicht mehr verkaufen. Um die Fortführung der Regulierungsarbeiten aber nicht aufzuhalten, erklärte sich die Brauerei bereit, auf ihr bisheriges Kellergebäude am Fuße des Nockherberges zu verzichten und einen dekorativen Abschluss ihres Lagerkellers herzustellen. Außerdem würde sie die Treppe mit Granit ausführen und der Öffentlichkeit überlassen. Die Stadt müsste sich dafür um die Instandhaltung und Reinigung kümmern. Voraussetzung für dieses Entgegenkommen war, dass die Stadt einen Teil des Hanges, den die Brauerei früher abgetreten hatte, wieder zurückgebe. Der Magistrat stimmte allen Punkten zu.

Das Entgegenkommen der Brauerei bestand u. a. darin, dass sie bereit war, auf das Kellergebäude zu verzichten. Die Brauerei hatte nämlich schon Pläne für einen Neubau, der einem Wohnhaus sehr ähnelte. Das Stadtbauaumt und eine Künstlerkommission waren aber gegen diesen Entwurf und hatten selbst ein Modell für eine Neuanlage des Kellerhauses in Verbindung mit einer Treppenanlage geschaffen. Dieses Modell entsprach aber nicht den Wünschen der Brauerei.

Mit den nun getroffenen Vereinbarungen konnte die Nockherbergregulierung, auf die schon 50 Jahre vorher hingearbeitet worden ist, noch im Laufe des Jahres 1904 fertig gestellt werden. Im Zuge dieser Umbauten wurde auch der Auer Mühlbach am Nockherberg überbaut.

Die weitere Überwölbung des Auer Mühlbachs am Neudeck wurde mit dem Ausbau der Hochstraße geplant. Dies ergibt sich aus den Verkaufsverhandlungen aus dem Jahre 1897 mit den Besitzern der Anwesen Am Neudeck 6,7 und 8 (= ehemaliges Schlössl). Diese Anwesen wären durch die Straßenbauten wesentlich verkleinert worden. Nr. 8 war bereits baufällig.

Auch die weiteren Baumaßnahmen am Neudeck ließen die Überwölbung des Auer Mühlbachs nötig erscheinen. Zwischen 1902 und 1904 entstand das Amtsgerichtsgebäude auf dem Areal des ehemaligen "Zuchthauses". Das Gebäude beherbergte das Amtsgericht München I, die Abteilung für Strafsachen und das Amtsgericht München II. Die Fassadengestaltung sollte an den Stil des alten Klostergebäudes der Paulaner erinnern.

Das städtische Grundstück am Neudeck Nr. 1 wurde 1903 für den Bau der Impfanstalt verkauft. Bei diesem Verkauf verpflichtete sich die Stadt zur Herstellung einer Straße vom Mariahilfplatz zur Impfanstalt und zur Überwölbung des Auer Mühlbachs am Neudeck. Auf einem Plan von 1907 ist der Bach überwölbt. Die vollständige Überwölbung führte bis zur Impfanstalt, von hier war der Bach nur noch auf der Seite der Anstalt überwölbt, während die andere Hälfte offen blieb. Offensichtlich wollte man auch für den weiter hinten liegenden Stall eine Zufahrt.

Kinderspielplatz und Pappeln

Baureferat reagiert: Kinderspielplatz soll kommen, es bleibt bei Pappeln

In einer Stellungnahme an den Bezirksausschuss 5 Au-Haidhausen und an das TEAM Auer Mühlbach begründet das Baureferat sein Festhalten an Pappeln statt Säuleneichen gegenüber der "Grünen Insel". Neben den eingeräumten Kostengründen wird ein Schädling als Argument gegen die Eichen angeführt. Zumindest wurden Pappeln ausgewählt, die nicht die gefürchteten "weißen Flocken" ausbilden.

Ohne den Antrag des TEAMs Auer Mühlbach hätten wir wohl noch Jahre auf den immer wieder zitierten Kinderspielplatz gewartet. Das Baureferat räumt ein, dessen Planung zurückgestellt zu haben.

Die Stellungnahme des Baureferates im Auszug:

"...in der Einwohnerversammlung am 14.03.2002 stellten Frau Bettina Messinger und Herr Martin Messinger die Anträge nach Einrichtung eines Kinderspielplatzes auf dem Areal zwischen Klostergelände und dem Joseph-Holzer-Weg und der Pflanzung von Spitzeichen anstelle der nunmehr vorgesehenen Pappeln.

Ein Kinderspielplatz an dieser Stelle war stets Bestandteil des Projekts zur Öffnung des Auer Mühlbachs Am Neudeck. Die Planung wurde jedoch zurückgestellt, um festzustellen, ob der Bedarf für einen Spielplatz besteht. Da dies offensichtlich der Fall ist, schlagen wir vor die Spielplatzplanung im Rahmen einer Nutzerbeteiligung voranzutreiben.

In der ursprünglichen Planung war auf der Berme gegenüber der "Grünen Insel" die Pflanzung von Säuleneichen (Quercus robur, "Fastigiata") geplant. Bei Wiederaufnahme des Projekts im Jahr 1999 wurde jedoch die Pflanzung von Pyramidenpappeln (Populus nigra "Italica") vorgesehen. Neben Kostengründen war vor allem die Tatsache, dass Pappeln an dieser Stelle standortgerechter sind als Eichen ausschlaggebend für diese Änderung. Hinzu kommt, dass inzwischen die heimischen Eichen vom sich immer weiter ausbreitenden Phytophtera-Pilz bedroht sind, der die Wurzeln befällt und zum Absterben der Bäume führt. Die Landeshauptstadt München hat deshalb beschlossen, keine Stieleichen (Quercus robur) mehr zu pflanzen. Die Pyramidenpappel fruchtet im Gegensatz zur Schwarzpappel (Populus nigra) nicht. Es besteht bei dieser Sorte nicht die Gefahr, dass durch die umherfliegenden Samen das Areal des Auer Mühlbachs beeinträchtigt wird. Aus den genannten Gründen wird an der Pflanzung von Pyramidenpappeln festgehalten...
"


Bei einem Workshop im Jahr 2003, an dem u.a. Elternvertreterder umliegenden Kindergärten und Schulen beteiligt wurden, hat sich herausgestellt, dass genügend Spielflächen für kleine Kinder angeboten werden. Deshalb soll dieser Spielplatz für Kinder um die dreizehn Jahre gedacht sein. Folgendes soll den Jugendlichen zur Verfügung stehen:
- ein Baumhaus in luftiger Höhe
- Granitblöcke zum Klettern und Liegen
- eine Drehscheibe

Die Kosten des Spielplatzes betragen 60.000 Euro, wovon die Münchner Kindl Stiftung 10.000 Euro gespendet hat. Pünktlich zum Beginn der Sommerferien 2005 wurde der Spielplatz dann öffentlich eingeweiht.

Blumenbank

Bezirksausschuss beschließt zum Komplex "Kunst am Auer Mühlbach"

Der Bezirksausschuss des 5. Stadtbezirkes der Landeshauptstadt München Au-Haidhausen hat in seiner Sitzung vom 20. März 2002 auf Antrag seiner Vorsitzenden, Stadträtin Adelheid Dietz-Will, folgende drei Beschlüsse jeweils einstimmig gefasst:

"1. Die Realisierung des von der Kunstkommission prämierten Projekts soll mit der Durchführung und den Ergebnissen der im Aufbau befindlichen Geschichtswerkstatt in der Au koordiniert werden. Der Beginn der Ausführung muss deshalb zurückgestellt werden. Die Anträge der Einwohnerversammlung vom 14.03.2002 sind ebenfalls auf die Ergebnisse der Geschichtswerkstatt zu beziehen. Deshalb ist die Entscheidung im BA 5 zeitlich zurückzustellen.

2. Wie der Stadtratsbeschluss vom 12.05.1992 vorsieht, soll eine "Geschichtswerkstatt" zur vertiefenden Auseinandersetzung der Bürger rund um den Auer Mühlbach durchgeführt werden. Zur Finanzierung der Projektkoordination, der Moderation und der laufenden Kosten sollen aus dem Haushaltstitel "Bürgerbeteiligung" (UA 0020) 20.000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Die Geschichtswerkstatt soll im Jahr 2002 durchgeführt werden. Das betreuende Referat soll nach Stadtratsbeschluss das Baureferat sein, unterstützt von der Kommission Kunst am Bau.
Begründung: In der Einwohnerversammlung am 14.03.2002 hat sich deutlich ein Bedürfnis der Bürgerinnen und Bürger artikuliert, die Geschichte des Stadtteils Au in Zusammenhang mit dem Auer Mühlbach intensiver durchzuarbeiten und ins Bewusstsein zu bringen. Hierzu bestehen bereits Bürgerinitiativen. Benötigt wird eine kontinuierliche fachliche Unterstützung, Koordination und Moderation.

3. Im Rahmen der Entscheidung für Objekte für Kunst im öffentlichen Raum ist der Bezirksausschuss in Zukunft bei allen Projekten, die raumwirksam sind, schon bei der Auslobung anzuhören. Als Nutzer des öffentlichen Raums muss der BA nach den Richtlinien der LHM für Kunst im öffentlichen Raum Punkt 10.5 in der Kommissionssitzung gehört werden. Beide Anhörungsrechte sind im Katalog der Fälle der Entscheidung, Anhörung und Unterrichtung unter "Baureferat" aufzunehmen.
Begründung: Das Erscheinungsbild von Objekten und Bauten im Stadtbezirk gehört zum direkten Wirkungskreis des Bezirksausschusses. Es geht nicht an, dass solche Entscheidungen schon bei Grundsatzfragen festgelegt werden, ohne dass der Bezirksausschuss einbezogen ist. Darüber hinaus ist es generell für die Durchführung des Vorhabens zweckmäßig, Anregungen, Wissen und Bedenken der Stadtteilvertretung von Anfang an in die Entscheidung einzubeziehen."

Aus dem ersten Beschluss entnehmen wir, dass zunächst einmal nichts aus der "Blumenbank am Mühlbachufer" werden soll, zumindest nicht bis zum Abschluss der "Geschichtswerkstatt". Auch wenn die Formulierung "Die Realisierung .... soll mit... den Ergebnissen der... Geschichtswerkstatt... koordiniert werden" etwas zweideutig ist (man könnte genauso daraus lesen, dass die Blumenbank realisiert werden wird, aber eben erst nach der Geschichtswerkstatt) unterstellen wir dem Bezirksausschuss die Absicht, genau diese Entscheidung zeitlich erst später zu treffen. Lieber wäre uns natürlich gewesen, der Bezirksausschuss hätte sich sofort eindeutig hinter den zweifelsfreien Bürgerwillen in der Einwohnerversammlung gestellt, also die "Blumenbank" klar abzulehnen, da die Entscheidung darüber ohne jede Beteiligung zustande kam. Der BA hätte den Stadtrat unmissverständlich auffordern sollen, an diesem Projekt den Dissens mit der Kunstkommission festzustellen und einen neuen Wettbewerb zu verlangen.

Bei der "Geschichtswerkstatt" vermissen wir neben der Federführung des Baureferates, dass übrigens auf der Einwohnerversammlung dafür noch zusätzliche Gelder aus eigenen Mitteln in Aussicht gestellt hatte, die Einschaltung des Kulturreferates, Fachgebiet 10 - Stadtgeschichte. Das Baureferat hat ja bisher nicht gerade mit historischer Kompetenz geglänzt. Wir sind gespannt, wie sich die Geschichtswerkstatt zusammensetzt und entwickelt.

Durch den dritten Beschluss wird deutlich, dass das Baureferat künftig erheblich früher als beim Kunstobjekt am Auer Mühlbach den Bezirksausschuss anhören muss.

Beschlossen wurde im übrigen auch die Bepflanzung der "Grünen Insel" mit Spitzeichen statt Pappeln (siehe Antrag des TEAMS Auer Mühlbach), bestärkt wurde der bereits gefasste BA-Beschluss, einen Spielplatz einzurichten.

Wir verfolgen aufmerksam die weitere Entwicklung und berichten an dieser Stelle weiter.

Einwohnerversammlung vom 14.03.2002 lehnt die Realisierung der "Blumenbank am Mühlbachufer" ab - eine subjektive Nachbetrachtung

Auf Einladung des Bezirksausschusses 5 Au-Haidhausen fand am 14. März 2002 eine Einwohnerversammlung für den Stadtbezirk statt. Thema war das Kunstwerk im Zusammenhang mit der Öffnung des Auer Mühlbaches am Neudeck. Zur Diskussion standen die Vorstellungen der Bürgerinnen und Bürger und die Ergebnisse des Wettbewerbs, den das Baureferat bzw. die Kunstkommission durchgeführt hat.

Mit fast einstimmiger Mehrheit hat die Einwohnerversammlung nach ausführlicher und sachlicher Diskussion die Realisierung des von der Kunstkommission im Rahmen eines Wettbewerbes ausgewählten Objektes "Blumenbank am Mühlbachufer" des international anerkannten Künstlers Olaf Nicolai abgelehnt. Baureferat und Kunstkommission wurden aufgefordert, einen erneuten Wettbewerb auszuschreiben und dabei auf die vielfältige und bedeutsame Geschichte des Standortes Am Neudeck hinzuweisen.

Auf der sehr gut besuchten Versammlung stellte die Vorsitzende des Bezirksausschusses 5 Au-Haidhausen, Adelheid Dietz-Will, zunächst die bestehende Beschlusslage vor. Gleichzeitig bestätigte sie nochmals, dass sie erst am 26. Februar 2002 vom TEAM Auer Mühlbach auf die anstehende Realisierung des Entwurfes von Olaf Nicolai erstmals aufmerksam gemacht wurde. Der damalige Bezirksausschuss und der Bauausschuss haben 1990 die Errichtung eines Kunstwerkes mit Denkmalcharakter, bevorzugt in Form eines Mühlrades aus Naturstein, im Gebiet Nockherberg oder Kolumbusplatz empfohlen.

Die damalige Kommission für Kunst am Bau, um eine Stellungnahme gebeten, lehnte das von den Auer Bürgerinnen und Bürgern geforderte Objekt am 11. März 1991 zwar als künstlerisches Projekt ab, konnte sich das Mühlrad jedoch als didaktische Stadtteilmaßnahme vorstellen. Das Baureferat sollte bei der Umsetzung Hilfestellung leisten. Der Stadtrat schließlich hatte das Projekt als begrüßenswerte historische Werkstatt, finanzierbar durch ein einzurichtendes Spendenkonto (damals wurde von einem Gesamtaufwand von rund 80.000 DM ausgegangen) und mit der ausdrücklichen Verpflichtung des Baureferates zur Unterstützung am 12. Mai 1992 beschlossen. Da damals noch kein Termin für eine Baumaßnahme am Auer Mühlbach in Sicht war, wurde das Objekt Mühlrad auf Eis gelegt, aber 1999 und 2002 immer wieder angemahnt.

Die Vertreterin des Münchner Baureferenten Horst Haffner, Rosemarie Hingerl, wies zu Recht darauf hin, dass die damalige Beschlusslage und die jetzt anstehende Realisierung im Rahmen "Kunst am Bau" zwei verschiedene Dinge seien. Das Baureferat würde weiterhin seine Unterstützung des Projektes "Mühlrad" anbieten, der durchgeführte Wettbewerb der Kunstkommission sei aber davon völlig unabhängig im Rahmen eines ganz normalen Verfahrens durchgeführt worden.

Mit der Realisierung der "Blumenbank am Mühlbachufer" sollte im April 2002 begonnen werden, die gesamte Maßnahme der Wiederöffnung des Auer Mühlbaches am Neudeck solle schließlich im Mai/Juni 2002 fertig gestellt werden. Johann-Georg Sandmeier vom Baureferat und der Vorsitzende der ehrenamtlichen Kunstkommission, Heinz Schütz, stellten dann die insgesamt drei Wettbewerbsbeiträge von Claudia von Funcke, Susanne Pittroff und Olaf Nicolai mit je einem Dia den Bürgerinnen und Bürgern vor.

In der sich anschließenden Diskussion wurde schnell deutlich, dass die Kenntnisse der Vertreter des Baureferates und der Kunstkommission über die historische Entwicklung und Bedeutung des Geländes "Am Neudeck" nicht sehr tiefgehend waren. Mehrere Bürger schilderten eindrucksvoll, welche Bedeutung das Neudeck für die Auerinnen und Auer hat und drückten ihr Unverständnis darüber aus, dass ausgerechnet der historisch gesehen unbedeutendste Teil Gegenstand künstlerischer Gestaltung geworden ist. Bei den erst jetzt wieder freigelegten Teilen handele es sich um nachträglich angebaute Behelfseingänge, keinesfalls um den eigentlichen Bunker oder den Haupteingang. Sie seien überzeugt, dass der Wettbewerb im Ergebnis anders verlaufen wäre, hätten die Künstlerinnen und Künstler Gelegenheit gehabt, von dieser Bedeutung vor dem Entwurf ihrer Arbeiten zu erfahren. Überhaupt zog sich der Vorwurf an das Baureferat, die Bürgerinnen und Bürger bei derartigen Wettbewerben nicht von Beginn an zumindest mit einzubeziehen, durch die Diskussion. Betont wurde aber auch, dass es in keiner Weise um die künstlerische Bewertung der Arbeiten gehe.

Adelheid Dietz-Will und die Vertreterin des Baureferates informierten schließlich noch, dass für die Realisierung des Projektes "Mühlrad und historischer Werkstatt" aus unterschiedlichen Töpfen der Stadt insgesamt 20.000 bis 25.000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Die Einwohnerversammlung beschloss einstimmig, diese Mittel abzurufen und für das ursprünglich geplante Werk zu verwenden.

Mit im Tenor gleich lautenden Anträgen des ehemaligen Bezirksausschuss-Vorsitzenden der Au, Erich Ober, dem Vorsitzenden des Vereins Freunde der Vorstadt Au, Adolf Plechinger, und dem TEAM Auer Mühlbach wurden nicht nur die Ablehnung des Objektes "Blumenbank am Mühlbachufer" durch die Einwohnerversammlung, sondern auch der Abriss der sichtbaren Bunkerreste an dieser Stelle und die Renaturierung der entsprechenden Hangkante mit überwältigender Mehrheit beschlossen.

Ebenfalls beschlossen wurden weitere Anträge des TEAMs Auer Mühlbach, die eine erneute Durchführung eines Kunstwettbewerbes unter Berücksichtigung der historischen Bedeutung und Beteiligung des Bezirksausschusses, die Einrichtung eines Kinderspielplatzes zwischen Klostergelände und Joseph-Holzer-Weg, und die Pflanzung der ursprünglich von den Architekten vorgesehenen Spitzeichen anstelle der aus Kostengründen geplanten Pappeln zum Inhalt haben.
Den Wortlaut der Anträge des TEAMs Auer Mühlbach stellen wir Ihnen hier zur Verfügung. Die jeweiligen Begründungen sind bei solchen Anträgen grundsätzlich nie Gegenstand der Abstimmung.

Als Fazit bleibt festzustellen, dass es doch noch gelungen ist, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Gestärkt durch die eindeutige Willensbekundung der Bürgerinnen und Bürger hat jetzt der Bezirksausschuss 5 Au-Haidhausen die sicher nicht einfache Aufgabe, die Angelegenheit weiter zu verfolgen und einen gangbaren Weg zwischen Bürgerwillen und berechtigten Interessen der Kunst zu finden.

Vieles wäre einfacher, transparenter und nachvollziehbarer, würden Bekundungen zur Bürgerbeteiligung und -Einbeziehung nicht nur in Sonntagsreden von der Kommunalpolitik unterstützt und eingefordert, sondern im tatsächlichen Verwaltungshandeln der Stadt auch frühzeitig umgesetzt. Der Stadtrat sollte dringendst darüber nachdenken, ob er nicht nach den negativen Erfahrungen beim Kunstprojekt "Wiederöffnung des Auer Mühlbaches" die Kompetenzen der Bezirksausschüsse nachhaltig stärken sollte.

Formell könnte der Stadtrat den Dissens mit der Entscheidung der Kunstkommission feststellen und damit den Weg für einen neuen, vom Willen zum Dialog getragenen Kunstwettbewerb freimachen. Wohlgemerkt nicht wegen Unterschieden in der künstlerischen Beurteilung des ausgewählten Objektes, sondern wegen der eklatanten Mängel in der Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Wir sind gespannt, wie ausgeprägt der theoretisch vorhandene Wunsch nach mehr Engagement und Beteiligung der Münchnerinnen und Münchner in der Praxis ist.

"Kunst am Bau" oder "Welches Mitspracherecht haben Bürgerinnen und Bürger?"
- ein Kommentar vom 06.03.2002 in eigener Sache zur künstlerischen Gestaltung des Auer Mühlbaches am Neudeck

Ende Februar 2002 sind wir durch Zufall darauf aufmerksam geworden, dass im Rahmen des Bauprojektes "Öffnung des Auer Mühlbaches am Neudeck" vor rund einem Jahr, im März 2001, ein Kunstwettbewerb (Stichwort "Kunst am Bau") stattgefunden hat.

Von der Kommission ausgewählt wurde das Objekt des Künstlers Olaf Nicolai mit dem Titel "Blumenbank am Mühlbachufer". Der Künstler führt dazu aus: "Der Entwurf bezieht sich auf die in der Neugestaltung nicht berücksichtigten Bunkerbauten. Da in der Planung die landschaftliche Gestaltung bereits gegeben ist, erscheint eine Behandlung der Bunker nicht nur aufgrund ihrer starken optischen Präsenz in Lage und Volumen notwendig, sondern auch im Bezug auf den sich abzeichnenden Kontrast zwischen Neugestaltung und Altsubstanz. Es wird vorgeschlagen, den Bunkerbau als ein skulpturales Element zu behandeln. Dazu wird der Baukörper freigelegt und als klare geometrische Form wiederhergestellt. Der gesamte Körper wird mit einem "Ornamentmuster" verkleidet. Das Muster ist ein überdimensioniertes Holzfurnier und wird als Farbmalerei angebracht. Der Farbauftrag erfolgt mit witterungsfester und in der Farbigkeit beständiger Farbe. Die Verfremdung des Objektes changiert nicht nur zwischen Natur und Künstlichkeit, sondern auch zwischen Modell und Landschaft. Der Sockelcharakter wird durch die im weiteren vorgeschlagene Nutzung unterstrichen: Auf dem Bunkerbau werden farbige Pflanzkübel mit Kirschbäumen installiert, die das Objekt als eine ins Überdimensionale vergrößerte Blumenbank erscheinen lassen."

An dieser Stelle befand sich bis zum 31. Juli 2002 ein Foto der Blumenbank von den Seiten der Kunstkommission der Landeshauptstadt München. Einer Aufforderung der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst nachkommend, haben wir das Bild entfernt. Da das TEAM Auer Mühlbach ausschließlich ehrenamtlich und ohne jeglichen kommerziellen Anspruch arbeitet, sehen wir uns nicht in der Lage, an den Künstler Olaf Nicolai eine Vergütung zu zahlen.

Nach den uns bisher vorliegenden Informationen sollte mit der Realisierung des Kunstobjektes im April 2002 begonnen werden. Die Fertigstellung des gesamten Projektes "Öffnung des Auer Mühlbaches" ist schließlich für Mai 2002 vorgesehen.

Die Aufgaben der Kunstkommission, die das Objekt ausgewählt hat, sind nach deren eigener Definition wie folgt: "Die Kunstkommission wurde 1985 vom Stadtrat eingesetzt, um Stadtrat und Verwaltung bei künstlerischen Maßnahmen im Rahmen kommunaler Neubauvorhaben zu beraten. Die Kommission gibt auch Stellungnahmen ab zu nichtstädtischen Kunstprojekten für den öffentlichen Raum. Ein Sonderfall sind neue Stadtquartiere, bei denen verschiedene öffentliche und private Träger tätig werden. Hier berät die Kommission bereits im Vorfeld über geeignete Modelle, die eine Koordination aller künftigen künstlerischen Vorhaben ermöglichen, oder über Gesamtkonzepte, falls dies im Einzelfall in Frage kommt. Die Kommission soll sicherstellen, dass im öffentlichen Bereich ausschließlich künstlerische Qualität berücksichtigt wird. Dieses Ziel wird nach Auffassung des Münchner Stadtrates am besten im fachlichen Diskurs qualifizierter Kunstsachverständiger erreicht. Alle Entscheidungen liegen in einer Hand. Die Kommission berät bei den verschiedenen Bauvorhaben, über die jeweils geeigneten künstlerischen Artikulationsformen, über die möglichen Standorte, über die Art des Auswahlverfahrens, über die einzuladenden KünstlerInnen, über den zu realisierenden Entwurf, über die Angemessenheit von Honoraren und Ausführungskosten. Die Nutzer, die planenden Institutionen und das Kulturreferat haben selbstverständlich das Recht, Vorschläge und Anregungen einzubringen. Die Beurteilung der künstlerischen Qualität ist jedoch der Kommission vorbehalten. Nur die Mitglieder der Kommission haben ein Stimmrecht. Ihre Empfehlungen werden in der Regel unmittelbar umgesetzt. Lediglich bei Dissens ist der Stadtrat zu befassen."

Zwei Aussagen sind in diesem Zusammenhang wichtig:

* Die Kunstkommission soll Stadtrat und Verwaltung beraten, und
* Die Nutzer ( ) haben selbstverständlich das Recht, Vorschläge und Anregungen einzubringen.

Es ist unbestritten sinnvoll, Kunst von Kunstfachleuten beurteilen zu lassen und nicht etwa einem Plebiszit zu unterwerfen. Andererseits kann Kunst aber nicht völlig losgelöst von demokratisch legitimierten Abläufen und der Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, schon gar nicht bei öffentlichen Bauten, stattfinden. Eine "Beratung" von Stadtrat und Verwaltung ist etwas anderes, als eine völlig autonome und von den örtlich involvierten Gremien losgelöste Kompetenz, unverrückbare Tatsachen zu schaffen.

Nach Auskunft der Vorsitzenden des Bezirksausschusses 5 Au-Haidhausen, Adelheid Dietz-Will, wurde der BA bis zu unserer Intervention Ende Februar 2002 zu keinem Zeitpunkt auch nur davon informiert, dass ein künstlerischer Wettbewerb zum vorliegenden Projekt stattfindet oder gar in die Entscheidung mit einbezogen. Auch über die getroffene Entscheidung wurde der Bezirksausschuss erstmals durch das TEAM Auer Mühlbach informiert. Der BA hatte auch nie Gelegenheit, so die Vorsitzende weiter, ein Meinungsbild abzugeben.

Die "Nutzer" des Bauprojektes sind die Bürgerinnen und Bürger der Stadt München, in erster Linie wohl die Anwohnerinnen und Anwohner in der Umgebung des Neudecks. Deren legitimierter Vertreter ist wohl der Bezirksausschuss. Wenn dieser aber in keiner Form beteiligt oder informiert wird, läuft das theoretische Recht, Vorschläge und Anregungen einzubringen, praktisch ins Leere.

Wir fragen daher das Baureferat, warum der örtlich zuständige Bezirksausschuss an der Entscheidung in keiner Weise beteiligt worden ist.

Um einem Einwand von vornherein entgegenzutreten: Es geht in keiner Weise darum, eine Diskussion über Geschmack und/oder Gestaltung zu führen.

Hauptgrund für die hier vorgebrachte Kritik ist die Tatsache, dass ein Objekt zur künstlerischen Gestaltung ausgewählt wurde, dem nahezu jeder Bezug zum Hauptthema, dem Auer Mühlbach und dessen Wiederöffnung nach fast 100 Jahren am Neudeck, fehlt. Der Bunker war zum Zeitpunkt der Auflassung 1905 noch gar nicht vorhanden. Der Standort des Bunkers wurde mit Sicherheit nicht gewählt, weil ein räumlicher oder inhaltlicher Bezug zum Auer Mühlbach vorliegt, sondern weil der natürliche Hang die Schutzfunktion eines Bunkers verstärkt. Städteplanerisch und bautechnisch umgestaltet wird aber nicht der Hang, sondern der Auer Mühlbach.

Nach einer drohenden Realisierung ist davon auszugehen, dass das Objekt "Blumenbank" hinsichtlich seiner dominierenden Wirkung die eigentliche planerische Leistung der Wiederöffnung des Auer Mühlbaches nicht nur überschattet, sondern völlig in den Hintergrund drängt und damit negativ beeinflusst oder sogar zerstört.

Es ist für uns unverständlich, bei aller gewünschten Freiheit von Kunst, etwas mit den ohnehin sehr geringen finanziellen Möglichkeiten der Stadt München zu gestalten, dem jeder Bezug zum Auer Mühlbach fehlt. Wir vermissen jede Auseinandersetzung mit der historischen Entwicklung des Baches, mit geschichtlichen Realitäten.
An dieser Stelle befand sich bis zum 31. Juli 2002 eine von uns erstellte Fotomontage unter teilweiser Verwendung eines Fotos der Blumenbank von den Seiten der Kunstkommission der Landeshauptstadt München. Einer Aufforderung der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst nachkommend, haben wir das Bild entfernt. Da das TEAM Auer Mühlbach ausschließlich ehrenamtlich und ohne jeglichen kommerziellen Anspruch arbeitet, sehen wir uns nicht in der Lage, an den Künstler Olaf Nicolai eine Vergütung zu zahlen.

Gleichzeitig werden aus Kostengründen Abstriche bei der Bepflanzung des wieder geöffneten Auer Mühlbaches gemacht. So werden beispielsweise statt der von den Architekten vorgesehenen Spitzeichen billigere und leider auch einfachere Pappeln gegenüber der so genannten "Grünen Insel" gepflanzt.

Und nicht zuletzt gibt es hinsichtlich der Gestaltung eindeutige Beschlüsse aus den 90er Jahren, die offenbar weder vom Baureferat noch der Kunstkommission berücksichtigt wurden. (fi)

Daraus sollte eine Blumenbank werden

Daraus sollte eine Blumenbank werden

Nachträglich angebrachte Eingänge zum Bunker

Geschichtswerkstatt

Erstes Ergebnis der Geschichtswerkstatt:

Vom 18. Juni 2004 (11.00 Uhr Eröffnung mit Rundgang) bis zum 18. Juli 2004 konnten die Tafeln der Geschichtswerkstatt besichtigt werden. Die Tafeln standen direkt am Ufer des Auer Mühlbaches (Am Neudeck) bzw. hingen in den Fenstern des Landratsamtes am Mariahilfplatz 17.

Nähere Infos und zum Download der Ausstellungsprospektes im PDF-Format

Auch bei der Eröffnung des Spielplatzes Am Neudeck wurden die Tafeln aufgestellt.

2006 schließlich erschien eine Broschüre der Geschichtswerkstatt.
Ein aktueller Hinweis in eigener Sache:
In letzter Zeit erreichen uns immer häufiger Bestellungen der Broschüre "Das Neudeck in der Au - Geschichtswerkstatt Auer Mühlbach". Wir haben zwar an dieser Broschüre mitgewirkt, herausgegeben wird sie aber vom Bezirksausschuss 5 - Au-Haidhausen der Landeshauptstadt München. Einzelexemplare können kostenlos in der

BA-Geschäftsstelle Mitte
Tal 13, 80331 München
Tel. (089) 22 80 26 66, 29 16 51 54, 22 80 26 73, 29 16 51 73, 22 80 26 75
Fax (089) 22 80 26 74
E-Mail: bag-mitte.dir@muenchen.de

persönlich abgeholt werden.

Neues Kunstwerk - oder: Wo sind die Gelder?

Wir erinnern uns: Die Geschichtswerkstatt wurde durchgeführt, um historische Grundlagen für die "Kunst am Bau" anläßlich der Wiederöffnung des Auer Mühlbaches am Neudeck zu schaffen. Für diese Geschichtswerkstatt, vor allem für die Historikerin und die Broschüre, wurden insgesamt knapp 40.000 Euro ausgegeben, davon allein 2.500 Euro vom Baureferat der Landeshauptstadt München.

Logisch wäre jetzt, dass nach Abschluss der Geschichtswerkstatt, nach Vorstellung der Ergebnisse, jetzt ein neuer Wettbewerb für das immer noch fehlende Kunstwerk am Auer Mühlbach ausgeschrieben würde. Also ein passendes Nachfolge-Projekt für die seinerzeit verhinderte "Blumenbank", die von den Einwohnern entschieden abgelehnt worden war.

Nach den allgemeinen Regeln stünden drei Prozent der Bausumme zur Verfügung, beim 6-Millionen-Projekt Freilegung am Neudeck also rund 180.000 Euro. Aber Logik war bei diesem Kunstprojekt noch nie die Stärke der hier handelnden Verwaltungsorgane.

In einer Beschlussvorlage für den Bauausschuss am 12. Juni 2007 heißt es plötzlich "es stehen keine Mittel mehr zur Verfügung", da die Baumaßnahme angeblich abgeschlossen sei. Das Geld scheint längst verbraten worden zu sein - für eine Abfindung an den "Blumenbank"-Künstler Olaf Nicolai, Verkleidungen von Rohren unter der Brücke und den Mittelrückfluß der nicht verbrauchten Gelder an die Kämmerei.

Es würde uns wundern, wenn die als durchaus streitbar bekannten Auerinnen und Auer sich das so einfach gefallen lassen würden. Wir berichten weiter.

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