Arme Schulschwestern

Realschule der Armen Schulschwestern

Realschule der Armen Schulschwestern

Mariahilfplatz 13

Die Armen Schulschwestern (anfangs nur die damalige Oberin Therese und eine Kandidatin) kamen am 7.Dezember 1839 in die Au. Sehr schnell unterrichteten die Schulschwestern mehrere Mädchenklassen. Am 28. November 1845 zogen sie dann auf das heutige Gelände. Kurze Zeit später erwarben sie noch das Anwesen direkt am Auer Mühlbach, das so genannte Mahle"sche Anwesen. Dieses gehörte einem Schreiner namens Mahle, welcher Möbel ins Aschaffenburger Schloss lieferte. Er war einer der ersten Schreiner in München, der mit Maschinen arbeitete. Die Kraft lieferte der Auer Mühlbach über ein großes Rad.

Sechs Schulklassen unterrichteten die Schulschwestern im Institut. Leerstehende Zimmer wurden bis 1878 an allein stehende Frauen vermietet. Die heutige Realschule (2001: 522 Schülerinnen) wurde 1951 gebaut. Von den 38 Lehrkräften sind nur noch drei Schwestern. Auf dem Gelände am Mariahilfplatz 13 befinden sich noch eine Berufsfachschule für Hauswirtschaft, ein Kindergarten und die zwei Fachakademien für Sozialpädagogik und Hauswirtschaft. Seit dem 1. Januar 2002 ist die Erzdiözese München und Freising der neue Träger der Schule.

Das Gelände am Auer Mühlbach ist im Privatbesitz des Klosters und der Öffentlichkeit leider nicht zugänglich. Dadurch ist ein sonst möglicher durchgehender Weg entlang des Auer Mühlbaches unterbrochen. Prof. Thomas Will hat in seiner Studie "Der Auer Mühlbach: Architektonisches Entwerfen als Interpretation des Ortes" Ideen entwickelt, den Weg zu öffnen, ohne die Privatsphäre und die Ruhe des Klosters zu beeinträchtigen. Einer seiner Vorschläge ist ein Wasserweg (ein mittig in den Bach gesenkter Weg), durch den das Klostergrundstück passiert werden könnte.

Schweres Unglück in der AU 22.09.1844
(Quelle: "Sion" 1844, Nr. 118 - Eingesandt unterm 27.09.1844):

"Öffentliche Blätter haben bereits den Unglücksfall berichtet, der sich am 22.ds. Monates im Garten der armen Schulschwestern in der Vorstadt Au zugetragen hat. Ich bin im Stande, denselben mit Erwähnung einiger anderer Umstände zu erzählen, die man bisher entweder nur flüchtig berührt oder ganz übergangen hat; die mir aber nichts weniger als gleichgültig erscheinen. Denken Sie sich, nach einem in unermüdlichem Fleiße zugebrachten Schuljahre bereiten die guten Schwestern ihren Zöglingen einen festlichen Tag. Sie haben wohl Ursache, sehr sparsam zu seyn, denn die Schwestern de Notre Dame sind Kinder der Vorsehung, die ihren Bestand nicht in Besitzthum, sondern im Segen Gottes haben, da man denn mit Wenigem viel vermag. Zu dem Feste aber, das sie am 22.ds. bereiteten, war nichts gespart; es galt ja den lieben Kleinen eine wohlverdiente Freude zu machen. Mehr als 200 Mädchen waren versammelt. Während sie auf der Anhöhe, die den Garten auf der Ostseite begrenzt, harmlos ihre Lieblingslieder sangen, wird im schattigen Gange des Gartens das Festmahl bereitet. Von der gedeckten Tafel trennt sie der sogenannte Mühlbach, eine 4 bis 7 Schuh tiefe Wasserleitung, über welche eine Brücke führt, deren schadhaften Zustand die Schwestern nicht ahnen konnten, da sich von außen keine Spur einer Gefahr drohenden Baufälligkeit zeigte und noch kurz zuvor der Hauspali die umsichtige Schwester Philomena, die ihm dieselbe zur Besichtigung empfohlen, mit der Versicherung beruhigt hate, es sey unter 5 Jahren keine Reparatur nothwendig. Der Rufe: "Zu Tische!" setzte die Kinder in Bewegung. Unter dem Gesange: "Lobet Gott!" hatte der größere Theil derselben bereits die Brücke passiert, als plötzlich ein Hauptbalken brach und mit der zusammenstürzenden Brücke bei 40 Kinder (nicht bloß 38, wie andere Blätter gemeldet haben) hinab ins reißende Wasser fallen. Welch ein entsetzlicher Anblick! Aber mitten in der Schreckensszene welch ein Rettungseifer! Eine Schwester, auf der Seite der Brücke stehend, wo sie sich leicht hätte retten können, die Kinder waren keinen Augenblick ohne Aufsicht! stürzte freiwillig ihnen nach die in flut und umfaßte mit ihren Armen Kinder so viel wie sie nur konnte; ebenso eine Candidatin. Eine zweite Professschwester war schon im Begriff, sich zur Rettung der Kleinen ins Wasser zu stürzen, als die Kinder in Masse sie umstellen, am Kleide ergriffen und mit jammernden Bitte und mit Gewalt sie zurückzogen. Die guten Schwestern wären wahrscheinlich mit den Kindern im Wasser umgekommen, wären nicht augenblicklich wackere Männer zur Hilfe herbeigeeilt. Wer immer zuerst herbeieilte, ob Jüngling oder Mann oder Greis, stürzte sich unbedenklich ins Wasser; und so geschah es, daß alle, bis auf 2 sehr gute und fromme Kinder, gerettet wurden. Nur 2 Tote unter vierzig verunglückten Kindern das ist gewiß ein Beweis, daß der Rufe: "Maria Hilf!" der herzzerreißend nach allen Seiten tönte, durch die Wolken drang. Der Schrei war ein Beweis für ihre religiöse Erziehung. Was hörte man von den Kleinen im furchtbaren Kampfe mit dem Elemente? "Jesus, Maria und Joseph! Heilige Maria, hilf!" "Vater unser, der Du bis " "Meine Mutter würde weinen!" "O weh, eine Schulschwester ist im Wasser" "Ich habe ja meine Medaille!" "O mein Kreuzlein!" Und viele von den Kindern, die jenseits der Brücke waren, konnten nur mit Gewalt zurückgehalten werden, ihren jungen Freundinnen sich nachzustürzen, damit auch sie versuchten, ob sie eine oder die andere retten könnten. Dienstag den 24. ds. War das Leichenbegängnis der beiden guten Kindern, die alle Opfer des verhängnisvollen Tages gefordert worden waren. Gegen zweihundert weißgekleidete Mädchen folgten dem Sarge; sie sangen jetzt wieder das Lied: "Lobet Gott!" Es war, als ob die Engel einen Triumphzug feierten. Als aber der Geistliche die Grabrede hielt, erhob sich ein Weinen und Schluchzen unter den Kindern, daß auch unter den Erwachsenen sie niemand der Thränen erwehren konnte. Blumen hat sie so in Mänge mitgebracht, daß die Gräber damit überfüllt wurden . die Schulschwestern sind an dem unglücklichen Ereignisse nicht im Mindesten Schuld, Wehe, wer es vermag, sie in ihrer gegenwärtigen Betrübniß auch noch durch ungerechte Vorwürfe zu kränken! Übrigens wird sich auch in diesem Falle das apostolische Wort bewähren: "Denen, die Gott lieben, mag Alles zum Besten dienen."

Das königliche Landgericht AU forderte unterm 30. November 1844 von der Ordensleitung Rechenschaft. Mutter Th. Schreibt unterm 2.12.1844 zurück:

"Der klösterliche Verein der armen Schulschwestern ist Eigenthümer des Filialhauses Nr. 424 in der Mariahilfstraße der Vorstadt Au, wie das der am 25.06.1840 gerichtlich abgeschlossene Kaufvertrag beurkundet; ihm obliegt also auch die Erhaltung und Beaufsichtigung des Gebäudes wie des über den Auer Mühlbach führenden Steges, was glaichfalls im obigen Vertrag dargethan ist. Die gehorsamst Unterzeichnete erlaubt sich hierbei nur noch die unterthänigste Bemerkung, daß das ganze Gebäude im besten baulichen Zustande sich befindet, daß vor zwei Jahren das Gestade des genannten Baches unsererseits größtentheils erneuert, das Übrige ausgebessert wurde und die gehorsamst Unterzeichnete kurze Zeit vor dem traurigen Unglücksfall angeordnet habe, daß namentlich der Steg vom sachverstänigen Handwerker untersucht und ausgebessert werden sollte. Das Ergebniß war, der Steg halte noch gut ein paar Jahre, das äußerlich ersichtliche Schadhafte wurde auch alsbald vor dem bekannten Unglücksfalle restaurirt, so daß die gehorsamst Unterzeichnete ihre aufhabende Schuldigkeit gethan zu haben erachtet und, obschon sehr angegriffen durch den unvermutheten Trauerfall, dennoch wegen des Ganzen getrost und ruhig im Innern vor Gott und ihrer Obrigkeit sich durch die von ihr angegebenen Vorsichtsmaßregelung und die gute Absicht meiner Mitschwestern, den lieben Kleinen eine unschuldige Freude zu bereiten, verantworten zu können und gerechtfertigt zu werden erachtet."

40 "Negerkinder" im Kloster
Zitat aus "Aus der Geschichte der Au" von Dr. J. Freudenberger von 1913

"Das war in den Jahren 1855/56 als der Missionär P. Oliviere seine nach Europa mitgebrachten Negerkindern (gegen 40) im Auerkloster stationierte. Hohe und höchste Herrschaften hatten großes Interesses an den Schwarzen, kamen oft zu Besuch, mehrmals auch die Königin Marie. Sie ließ sich herab, mit den Kindern zu spielen, ja nahm selbst die Mädchen und tanzte mit ihnen die Runde. Von Sarah (später Karoline getauft), die eine Negerschönheit war, ließ die Königin ein Porträt machen und ein Kopfmodell, welches im Nationalmuseum ausgestellt ist. Die Negerbuben waren ungemein wild. Mit ihren Peitschen und geschenkten Spielflinten jagten sie auf jeden los. Einer hatte es besonders auf den großen Reifrock der Königin abgesehen, den er gewaltig mit seiner Peitsche bearbeitete. Mild lächelnd ließ die Königin dies geschehen. Eine besondere Zuneigung hatten die schwarzen Kinder zu dem Hofkaplan Müller, der sie mehrmals in der Woche besuchte. Sie suchten ihm die Taschen nach Zucker aus und waren in jeder Weise kindlich-zutraulich zu ihm. Die Vorbereitung zur Taufe erfüllte sie mit ungeheurer Angst; sie fürchteten geschlachtet zu werden und beständig blieben zwei bei Nacht wach, um gleich Alarm schlagen zu können. Der Taufakt wurde in der Auerkirche vollzogen. Gräfinnen, Baronessen, angesehene Bürgerfrauen der Au vertraten Patenstelle. Nach 3 bis 4 Monaten wurden die Kinder in andere Klöster verteilt, nur 9 Mädchen blieben in der Au. Eins derselben entlief unter Mithilfe Bekannter und verheiratete sich in Konstantinopel, die andern erlagen nach und nach dem rauen Klima. Nur eine Helene genannt ein recht braves und geschicktes Mädchen lebte noch den Siebziger Jahren und machte sich bei den Zöglingen des Instituts wohl verwendbar."

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