F.X. Meiller

Lilienstraße 3

Lilienstraße 3

die Anfänge der Maschinenfabrik Meiller

Im Jahre 1850 kaufte ein junger Schmied, Lorenz Meiller, geboren 1821 in Mauerkirchen bei Endorf, das Anwesen Lilienstraße 3 in der damals noch eigenständigen Vorstadt Au. Er hatte bei seinem Vater Michael in Weißach am Tegernsee das Schmiedehandwerk erlernt und besaß dort bereits eine Hammerschmiede.

In München hatte die Industrialisierung bereits bleibende Zeichen hinterlassen. 1838 war das "Eisenwerk Hirschau bei München" durch Josef Anton von Maffei gegründet worden, damit in Bayern Lokomotiven entstehen konnten. Ein Jahr vorher hatte die München-Augsburger-Eisenbahn ihren Betrieb aufgenommen. 1849 wurde der Münchner Hauptbahnhof eingeweiht, 1850 die Bavaria fertig gestellt. Sie war gleichermaßen Kunstwerk und Symbol technischer Leistungskraft Bayerns. 1851 nahm Max von Pettenkofer seine Holzfabrik in Betrieb. Das dort gewonnene Leuchtgas diente zur Illuminierung des Münchner Hauptbahnhofs die erste große Beleuchtungsanlage Deutschlands war geboren. 1852 gründete Josef Rathgeber seine Fabrik für Pferde- und Eisenbahnwagen.

Lorenz Meiller übte am Auer Mühlbach zunächst das Geschmeidemacher-Handwerk aus, das er 1853 durch Zukauf um eine Waffenschmiedegerechtsame erweiterte. Diese Gerechtsame war sehr teuer, denn mit 2450 Gulden kostete sie fast ein Drittel dessen, was das gesamte Anwesen in der damaligen Vorstadt Au gekostet hatte. Lorenz Meiller stellte zunächst vor allem Schaufeln, Pickel und Hacken her. 1881 übernahm sein Neffe Franz Xaver Meiller das Geschäft, das sich gut entwickelt hatte.

Jener Franz Xaver Meiller, der 1907 zum Königlich Bayerischen Hofwerkzeugfabrikanten und später auch zum Kommerzienrat ernannt wurde, hatte nicht nur mit der Herstellung von Hand- und Sackkarren begonnen, sondern er war es, der sich ganz gezielt Gedanken darüber machte, wie mit wenig Kraft viel Masse zu bewegen sei. Als Ergebnis dieser Überlegungen montierte er 1904 seitlich zwei Winden an einen Lkw, "die mittels Kurbeln und Zahnstangen im Handbetrieb die Ladebrücke einseitig anhoben". Das war die Geburtsstunde des Meiller-Kippers. Drei Jahre später folgte ein Kipp-Anhänger.

Die entscheidende technische Innovation gelang dem Kommerzienrat und seinen beiden Söhnen dann 1924/25 mit dem Bau der hydraulischen Kipperpresse. Damit, so heißt es in einer Festschrift, wurde das Fundament für den weltweiten Ruf der Meiller-Kipper gelegt. Entscheidender Vorteil gegenüber der Stockwinde war nicht nur die motorbetriebene Hydraulikpumpe, sondern auch die Möglichkeit, die Ladebrücke ohne umständliches Umhängen der Winde nach drei Seiten zu kippen. Kernstück aller Meillerprodukte ist denn auch bis heute die in Eigenproduktion hergestellte Hydraulik.

Waren zuvor schon Wasserspritzwagen für die Stadtreinigung und Pritschenwagen gebaut worden, so kamen noch vor dem Ersten Weltkrieg Schwerlastfahrzeuge und Nachläufer für Langmaterial hinzu. Nach 1918 folgten im Programm Schwingachsanhänger, Bremsen und Fahrzeug-Hebebühnen. Im zweiten Weltkrieg verlangten die Nazis dann noch den Bau von Fahrzeugen mit Abschussrampen für V2-Raketen.

Wegen der Produktionsausweitung wurde 1918 die Fabrik in die Hindenburgstraße, die heutige Landshuter Allee, verlegt. Aus dem handwerklichen Schmiedebetrieb war endgültig ein Industriebetrieb geworden. 1944 wurde dieser Betrieb durch Bomben zu 60 Prozent zerstört. Doch die Produktion ging mit viel Improvisation weiter, zumal Teile der Fertigung nach Markt Schwaben ausgelagert worden waren. So wurde von Ottenhofen der Dieselmotor nebst Generator zur Stromerzeugung vorübergehend nach München geholt, wo die Stromversorgung mehr oder weniger brach lag. Bei Ende des Krieges beschäftigte Meiller noch etwa 100 Mitarbeiter. Vor dem Krieg waren es etwa 500.

Heute ist das 150 Jahre alte Münchner Familienunternehmen F. X. Meiller Marktführer bei Kipp-Aufbauten, hat rund 1.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und genießt weltweit einen ausgezeichneten Ruf. Als das Gelände in der Landshuter Allee ebenfalls zu klein wurde, siedelte Meiller in den siebziger Jahren nach München-Moosach um. Produktionsstandorte gibt es neben München auch in Karlsruhe, Ulm, Düsseldorf und Slan in Tschechien, Waidhofen/Ybbs und Asten bei Linz.

Die Anfänge dieses Weltunternehmens befinden sich aber immer noch am Auer Mühlbach, in einem unscheinbaren Haus an der Lilienstraße 3.

Und werfen sie doch auch einen Blick in den Innenhof zu einer bemerkenswerten Steinsäule.

Weitere Informationen zur Maschinenfabrik F. X. Meiller: www.meiller.com

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