Arbeitermuseum

Von der Trambahnhaltestelle "Max-Monument" ausgehend, zeigten in füherer Zeit "Wegrichtungstafeln" mit der Aufschrift "Königlich Bayerisches Arbeitermuseum" die Richtung zur Pfarrstraße 3 an. Dort war am 26. November 1906 in einem neu erbauten "Ausstellungsgebäude" mit einer großen "Maschinenhalle" durch den "Staatsminister des Königlichen Hauses und des Äußeren", Dr. Freiherr von Podewils, die "ständige Arbeitsschutzausstellung" eröffnet worden. Diese "Ausstellungen für den Arbeitsschutz" hatten in München bereits eine sechsjährige Tradition. Sie ging zurück auf den "Königlichen Regierungsrat und Zentral-Inspektor für Fabriken und Gewerbe in Bayern", Karl Poellath, der am 20. Oktober 1897 höheren Orts vorschlug, "eine ständige Einrichtung zu schaffen, welche es Behörden, Arbeitgebern, Arbeitern, Fabrikanten, Ingenieuren usw. ermöglichen soll, sich die Fortschritte der Unfallverhütung und der Gewerbehygiene vor Augen zu führen, sei es in wirklichen Ausführungen, sei es in Modellen, Bildern, Plänen u. dergl.".

Gründung des Museums für Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen in der Au

Der Antrag fand am 16. März 1900 die Billigung des "Königlich Bayerischen Staatsministeriums des Inneren" und so konnte am 21. Oktober des gleichen Jahres - in den aufgelassenen Räumen der "München-Dachauer-Aktiengesellschaft für Maschinenpapierfabrikation" am Kegelhof 3 in der Au - das "Museum für Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen" eingerichtet werden. Es sollte das erste Museum dieser Art im deutschsprachigen Raum sein, da die Berliner "Ständige Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt" erst im Jahr 1903 eröffnet werden konnte.

Nutzung der Wasserkraft

Da zur damaligen Zeit in der Au noch kein elektrischer Stromanschluss vorhanden war, erlaubte man dem "Museum für Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen" die Nutzung der Wasserkraft des "Auer Mühlbachs" zur Erzeugung der benötigten Energie. Den Strom brauchte man, um Maschinen und Modelle von Betriebseinrichtungen in Gang zu setzen, an denen den Besuchern die Gefahrenquellen und der Schutz vor ihnen erläutert werden konnte.

Der elf Meter lange "Transmissionsriemen" des "Kleinkraftwerkes" diente dabei gleichzeitig als Anschauungsmaterial. Bayern war in dieser Sache - wie auch bei der Einführung des "gewerbeärztlichen Dienstes" und auf anderen Gebieten des Arbeitsschutzes - bahnbrechend gewesen. Die bayerische Anstalt ging eigene neue Wege und diente häufig als Vorbild.

Bereits im Jahr 1900 baute das Museum die Sonderausstellung "Bauarbeiterschutz" auf, an deren 36 Öffnungstagen sich 1.883 Besucher bei freiem Eintritt informierten. Schon ein Jahr später nahm das Museum mit eigenen Ständen an der "Ausstellung für Unfallschutz und -verhütung, Sanitäts- und Rettungswesen" in Frankfurt am Main teil, wo ihm ein "Ehrendiplom" zuteil wurde. Ebenfalls im Jahr 1901 erhielt man auf der "Internationalen Ausstellung für Unfallverhütung, Gewerbehygiene und Arbeiterwohlfahrt" in Budapest einen "Grand Prix" für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet des "Arbeiterschutzes" zugesprochen. Eine weithin beachtete Ausstellung fand anno 1903 statt: "Sicherheitsvorkehrungen bei Aufzügen und Hebezeugen". Damit konnte sich die junge, bislang einzige Einrichtung ihrer Art im "Deutschen Reich" weltweit einen Namen machen.

Umzug

Doch schon nach wenigen Jahren erwiesen sich die Räume des Fabrikgebäudes in der Au als viel zu beengt. Die ständige Vergrößerung der Bestände an Anschauungsmaterial ließ das "Museum" bald aus allen Nähten platzen, weshalb es gegen Ende des Jahres 1906 in das "Lehel" umzog.

Namensänderung

Eine "Königliche Allerhöchste Verordnung" vom 23. November 1906 legte eine Namensänderung fest. Ab sofort hieß das ehemalige "Museum für Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen" nun "Königlich Bayerisches Arbeitermuseum". Zudem definierte die Verordnung die Aufgabenstellung des Instituts neu. Die dort Beschäftigten sollten die Entwicklung des Arbeitsschutzes fördern und den neuesten Stand der "Sicherheitstechnik" und des allgemeinen "Arbeitsschutzes" sowohl den Arbeitgebern, als auch den Arbeitnehmern vermitteln.

In einer "ständigen Arbeitsschutzausstellung" konnten die vorhandenen und die neuesten Schutzeinrichtungen anschaulich dargestellt, vorgeführt und geprüft werden. Es gab Vorträge über "Arbeitsschutz und Hygiene" und eine "öffentliche Fachbibliothek". Außerdem war der "soziale Arbeitsschutz", die Lage der Arbeiter, ihre Wohnungen und ihre Ernährung darzustellen. Das alles konnte seit dem 26. November 1906 in dem neuen Gebäude an der Pfarrstraße 3 den Besuchern präsentiert werden. Das "Königlich Bayerische Arbeitermuseum" war bei freiem Eintritt täglich außer montags geöffnet und zählte bereits im Jahr 1907 rund 16.000 Besucher.

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