Chronik der MD

1322 - Perkhofer, ein landadeliges Geschlecht, Patrizier, sollen schon 1322 in München eine Papiermühle betrieben haben. Ihre Papiere hatten als Wasserzeichen ein Einhorn

1347 - Kaiser Ludwig der Bayer gründet, mit an Bestimmtheit grenzender Wahrscheinlichkeit, die Auer Papiermühle zu München

1490 - Balthasar Pötschner erhielt im Januar von Herzog Albrecht IV. die landes herrliche Genehmigung zur Errichtung einer Papiermühle auf dem gleichen Grundstück in der Au, auf welchem die alte Mühle gestanden war

1492 - Astronomische Tabellen aus dem Kloster Andechs, die in der Bayerischen Staatsbibliothek verwahrt werden, zeigen als Wasserzeichen das Pötschner Wappe

1505 - Balthasar Pötschner stirbt und wird als Probst der St. Peterskirche zu München dort begraben

1528 - Verkauf der Mühle an Sebald Bruckner. Kauf muß rückgängig gemacht werden. Neue Besitzer: Johann Ligsalz und sein Eheweib, geb. Pötschner

1540 - Jobst Wurmb, bürgerlicher Papiermacher, erwirbt von Ligsalz den halben Anteil

1568 - Die zweite Hälfte der Au geht von Ligsalz an Hanns Sigmund von Seiboldsdorf zu Ritterswert und Hornstein und seine Ehefrau Jakoba, geb. Pötschner

1607 - In einem Auer Preiskurant steht, dass ein Ballen Kanzleipapier 20 Gulden und ein Ballen Druckpapier 10 Gulden kostet.

1616 - Aus einer Urkunde geht hervor, dass die Söhne des Wurmb, Sigmund und Jobst, als tüchtige Papierer es zu Ansehen und Vermögen gebracht hatten

1632 - Als die Schweden einfielen, war die Auer Papiermühle in den Händen der Hofpapierer Mayr

1682 - Die Mayr erhalten von Kurfürst Max Emanuel das Privileg der alleinigen Papier erzeugung für die "allhiesige Haupt- und Residenzstadt und sieben Meilen Wegs rund um dieselbe". Die Mayrs hatten eine weitere Mühle in Thalkirchen und eine dritte in Harlaching.

1692 - Max Emanuel überreicht den Mayrs das Adelspatent: Freiherrn von Mayr auf Scherneck

1712 - Johann Virgil Mayr, churfürstlicher Hofpapierer in der Au, kauft von der Hammerschmiedin Maria Riegerin ob der Au die Hammerschnid-Anger die später die Namen Mühl-Anger und Kegelhof erhielten

1740 - Johann Nikolaus Mayr übernimmt den Besitz

1761 - Dominikus Mayr übernimmt die Papierfabrik und erhält

1765 die Genehmigung, Druckpapier nach Augsburg auszuführen

1778- Die Witwe des Dominikus Mayr heiratet den Leutnant Martin Zintl, der als Nichtfachmann schlecht wirtschaftet

1786 - Der Besitz in der Au wird für 16200 Gulden von Johann Georg Pachner aus Krumau für seinen Sohn Johann Michael gekauft

1796 - Die französische Revolutionsarmee plündert und zerstört fast die ganzen Fabrikanlagen und die übrigen Besitzungen

1802- Anton von Pachner übernimmt die Anlagen nach dem Tode von Johann Michael Pachner

1803 - Anton von Pachner stirbt und nun übernehmen Franz Xaver von Pachner und sein Bruder Mathias die Papiermühle

1812 - Die Papiermühle in der Au brennt ab

1813- Hochwasser zerstört einen Großteil der Fabrik. Die Isarbrücke stürzt ein. Über 100 Menschen ertrinken, darunter auch der 17jährige Sohn des Franz Xaver, Georg von Pachner

1815 - Wieder brennt es in der Fabrik.

1836 - Franz Xaver und sein Bruder Mathias von Pachner verkaufen ihr Auer Papiermühlenanwesen um 45000 Gulden an den Kaufmann Joseph Pronberger

1836 Drei Monate später geht die Mühle zum gleichen Preis an Karl Martin Stegmayr

1840- Der Gründer der Pasinger Papierfabrik, der Augsburger Fabrikant Karl Beck, erwarb von Ritter von Hilz das für den Prinzen Karl-Theodor erbaute Schloss und den Hofmarkbesitz

1841- Der in den bayerischen Adelsstand aufgenommene Karl Ritter von Stegmayr verkauft die Auer Papiermühle an den Hofdruckereibesitzer Josef Rösl

1842 - Der inzwischen geadelte Freiherr von Beck errichtete auf seinem Grundbesitz in zwei Jahren mit einer Langsieb-Papiermaschine die modernste Papierfabrik im Königreich Bayern. Dadurch erhielt Pasing das Privileg, Briefmarkenpapier herstellen zu dürfen

1847 - Freiherr von Beck übergibt die Leitung seiner Fabrik an Karl Bullinger

1849 - Rösl stirbt am 23. Februar

1850- Gustav Medicus heiratet Caroline Rösl, Tochter des Hofdruckereibesitzers

1851 - Ing.-Oberltn. Gustav Medicus kauft die Rösel'sche Papiermühle in der Au von den Erben seines Schwiegervaters, nach dem er aus dem Miltärdienst ausgeschieden war. Ein verheerendes Hochwasser vernichtet Teile der Fabrik

1852 - Aufstellung einer Schaeuffelen'schen Papiermaschine in der Röselschen Papierfabrik in München, Au, und Modernisierung bis 1853

1853- Wiederum wird die gerade modernisierte Fabrik von Hochwasser getroffen

1859- übernimmt Gustav Medicus die Paun'sche Papiermühle in Dachau Brunngartenstraße, um eine Konkurrenz auszuschalten und baut sie

1860 - mit einer 1625 mm breiten Escher Wyss Papiermaschine, Type A, (37320 fl), zu einer Maschinen-Papierfabrik um Brandkatastrophe in der Auer Fabrik

1862 - Gründung der München Dachauer Actiengesellschaft für Maschinenpapierfabrikation durch Gustav Medicus

1864 - Die Actiengesellschaft war durch zu geringe Finanzmittel und unqualifizierte und zu wenig kontrollierte Führungskräfte praktisch gescheitert Louis Weinmann, Buchhalter im Bankhaus Josef von Hirsch, wird in den Vorstand berufen. Der erst 25 Jahre alte Weinmann saniert die AG in kurzer Zeit. Der Kegelhof München Au, der noch im Besitz von Medicus war, kommt für 45000 Gulden zur AG. Gustav Medicus gründet mit seinem Restvermögen die Holzstoff-Fabrik Deutenhofen bei Dachau

1869 - Aufstellung der zweiten Papiermaschine von EW, Type A, mit 1625 mm AB in der Paun'schen Fabrik Dachau

1871 - Die Aktiengesellschaft kauft für 76000 Gulden den weitläufigen Besitz Steinmühle in Dachau von Mahlmühlenbesitzers Johann Dick und beginnt sofort mit dem Bau der Papierfabrik Steinmühle mit integrierter Strohstoff-Fabrik. 1872- Aufstellung der PM I von EW, Type A, im Werk Steinmühle mit 1830 mm AB

1873- Aufstellung der PM II von EW, Type A, im Werk Steinmühle mit 1830 mm AB Diese PM kaufte Louis Weinmann auf der Weltausstellung in Wien In der Steinmühle wird die MD-Werksfeuerwehr gegründet

1874 - Die MD-AG schließt mit der kgl. bayerischen Verkehrsanstalten-Telegraphen Abteilung München einen Vertrag über Herstellung und Unterhaltung einer telegraphischen Verbindung zwischen den einzelnen Etablissements der AG ab

1881- Im Werk Pasing wird eine PM von EW, Type A, 1800 mm AB aufgestellt Erwerb der Holzstoff-Fabrik Olching von der Industriegesellschaft Geislingen. Das Werk Olching 1 arbeitet nun mit 5 Schleifern für MD

1884/85 - In der Steinmühle wird ein großer Papiersaal gebaut

1885 - Olching II geht mit 7 Schleifern nach neuestem Stand der Technik in Betrieb. Die beiden Dachauer Fabriken Obere Fabrik und Steinmühle werden von Gaslicht auf elektrische Beleuchtung umgestellt. Die Papierfabrik Steinmühle erhält den ersten Telephonanschluß.Escher Wyss & Cie liefert für die Au eine Sembritzki-Doppelschöpf-Maschine

1886/87 - Erweiterung des Werkes Steinmühle und Aufstellung der PM III in der Steinmühle mit 2580 mm AB von der Maschinenfabrik Golzern/Sachsen Dazu mußte erst die Steinmühlstraße nach Westen verlegt, das neben dem Maschinengebäude PM 1 und PM II stehende Reischlhaus abgerissen und in der Freisinger Straße 33 neu erstellt werden. Die Zufahrtsstraße zur Fabrik, die Steinmühlstraße jetzt Ludwig-Thoma-Straße, wurde Privatstraße

1886 - Aufstellung der Sembritzki-Schöpfmaschine von Escher Wyss Zürich in der Papierfabrik Kegelhof in der Au. Format 36x44 cm

1887 - Die MD-AG begeht am 12. November festlich ihr 25jähriges Jubiläum im Bürgerlichen Brauhaus zu München-Au.
Das Fabrik-Brausebad wird gegenüber dem Eingang Werk Steinmühle gebaut.

1889 - Kommerzienrat Louis Weinmann feiert am 7. Mai sein 25jähriges Arbeitsjubiläum Weinmann, der wegen seiner sozialen Einstellung "Vater der Arbeiter" genannt wurde, erhielt von den Arbeitern zum Dank eine Marmorbüste überreicht, die in der Nische des Dampfmaschinenhauses -heute MD-Museum- aufgestellt wurde Weinmann und seine Frau gründen mit einem Grundkapital von 25 000 Mark die "Weinmannstiftung" von deren Zinsen alljährlich eine Beisteuer für Lehrgelder der Arbeiterkinder und für die Kinder verunfallter oder verstorbener Arbeiter erbracht werden sollte.

1890 - Louis Weinmann wird Hauptaktionär der MD-AG

1892- Verkauf der Schöpfpapierfabrik in der Au

1893- Pasing wird von der MD AG mit drei Papiermaschinen übernommen PM I 2000 mm AB, PM II 1640 mm AB, PM III 2200m m AB

1894 - Erwerb der Häuser in München, Residenzstraße

1897 - Carl Medicus bietet Deutenhofen der MD-AG zum Kauf an, die aber ablehnt Dampfkessel-Explosion im Werk Pasing. Fünf Fabrikarbeiter und ein Kind. werden tödlich verletzt

1898 - Erweiterung des Telephonnetzes der MD-AG

1901- Die Seidenpapierfabrik in der Au wird stillgelegt

1902 - Der Vater der Arbeiter, Louis Weinmann stirbt am 13. Mai in München

1903 - Die Strohstoff-Fabrik in der Steinmühle wird abgestellt Das erst 1886 gebaute ReischIhaus geht mit allen Nebengebäuden für 20 000 M an die MD-AG

1905 MD baut in Dachau 16 Wohnungen für Fabrikarbeiter Am 19. April ist im Unterbräu Dachau eine Versammlung: "Warum müssen sich die gelernten und ungelernten Arbeiterinnen und Arbeiter organisieren" Der Industriegleisanschluß in die Steinmühle, den die AG 18 Jahre anstrebte, wird endlich fertiggestellt. MD kauft in Dachau einen Teil des Areals der Mayersäge

1906- Das Weinmann-Haus wird mit 19 Wohnungen für Fabrik-Beamte gebaut

1907 - Escher Wyss erneuert PM II - 2000 mm AB 1908- Ersten Stromliefervertrag zwischen den Amperwerken und der MD-AG 1

1910 - Elektrischer Antrieb für PM III

1911 - Die ursprünglich zu Pasing gehörende Holzschleiferei Weidach wird mit dem ganzen Areal an die Stadt München verkauft

1912 - EW erneuert PM I - 2100 m AB

1913 - Verlängerung des Papier- und Kalandersaals um 30 m

1914 - Der Vorstand der AG legte am 3. August fest: Die zum Kriegsdienst eingezogenen Leute verbleiben in ihren Rechten in den Kassen. Ihre Frauen und Kinder erhalten einen monatlichen Unterhaltszuschuß. Frauen 10 Mark, 6 Mark für jedes Kind unter 14 Jahren

1916 - Die Obere Fabrik in Dachau - Paun'sche Fabrik - wird abgestellt. Großer Personal und Rohstoff-Mangel, da die nahegelegene Pulverfabrik bevorzugt mit Personal versorgt wird

1919 - Die MD-AG kauft die Holzschleiferei Deutenhofen für 645 000 Mark Die MD-AG meldet, daß sie in Dachau 70 Wohnungen an Arbeiter vergeben hat Der Finanzminister der Räterepublik verkündet in München: "Solange wir im Besitz der Dachauer Papierfabrik sind, haben wir Geld soviel wir wollen". Alle Papiermaschinen in Dachau mußten Wasserzeichenpapiere fertigen Die Revolution veranlasst die MD-AG eine Versicherung gegen Schäden durch Aufruhr und Plünderung abzuschließen

1921 - Olching 1 wird zum Kraftwerk umgebaut

Wer sich für die Geschichte der MD Maschinenpapierfabrikation interessiert, dem empfehlen wir das Buch von Herrn Hubrich (siehe Quellen).

Perkhofer Wappen
ca. 1322

Pötschner Wappen
ca. 1492

Wasserzeichen der Auer Papierfabrik
ca. 1502

Musterbücher aus dem Jahr 1885 von der Papiermühle in der Au.
Die Bücher wurden von Hofbuchbinder F. X. Beer angefertigt und zeigen bis zu 30 Farbvarianten Seidenpapier.

Papierfabrik Dachau mit dem Mühlbach in Dachau
Das gelbe Gebäude beinhaltet das Museum der MD.

Louis Weinmann
Er wurde 1864 in den Vorstand der MD berufen und saniert diese wieder.

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