Muffat

Der Muffatturm

Der Muffatturm

Zellstr. 4

Bevor es eine öffentliche Brunnenversorgung gab, grub man in München private Brunnen. Die im 16. Jahrhundert einsetzende neue Wasserversorgung mit fließendem Wasser, setzte leistungsfähige mechanische Brunn- und Pumpwerke voraus. Und da die Quellen in der Nähe der Stadt nicht wesentlich höher lagen als das Versorgungsgebiet selbst, besaßen die Brunnwerke einen Wasserturm. Auf der rechten Isarseite gab es drei Brunnhäuser, mit deren Hilfe man Quellwasser in die Stadt München leiten konnte. Das Trinkwasser wurde in einen kupfernen Kessel im obersten Stockwerk des Wasserturms gedrückt, von diesem lief das Wasser in die aus hölzernen "Deicheln" bestehende Stadtleitung.

Das städtische und zugleich älteste Brunnhaus war das "Auf dem Isarberg". Es wurde anno 1555 erstmals genannt. Zweiunddreißig Jahre später kamen zwei weitere Brunnhäuser dazu, die Hofbrunnwerke am "Lilienberg" und im "Brunnthal". Wie wichtig diese Wassertürme für die Wasserversorgung Münchens und des Hofes waren, zeigt die Tatsache, dass Herzog Albrecht anno 1561 bestimmte, dass der Wasserturm und der Fahrweg auf dem Gasteig zur Stadt München gehören sollen.

Sauberes, quellfrisches Wasser in Hülle und Fülle, ohne Verschmutzung durch Dünge- und Pflanzenschutzmittel, ist heute für die Münchner selbstverständlich. Das Wasser der Münchner ist von hervorragender Qualität, da alle Gewinnungsgebiete in Wasserschutzgebieten liegen, in denen strenge Auflagen das Grundwasser vor Verunreinigungen schützen.

Als das älteste Brunnhaus der Stadt den Anforderungen nicht mehr genügte, projektierte Franz Karl Muffat im Jahr 1833 ein völlig neues Werk. Das Wasser der verschiedenen Quellen lief in die "Brunnstube am Gasteigberg" und von dort in einem hölzernen Kanal in die Behälter der Saug- und Druckpumpen des "Brunnhauses auf der Kalkofeninsel". Ein unter dem Haus durchgeleiteter Seitenarm des Auer Mühlbachs trieb zwei Wasserräder an. Mit der Inbetriebnahme des neu erbauten "Brunnhauses auf der Kalkofeninsel" konnte das "Brunnhaus am Isarberg" anno 1837 aufgelassen werden. Das Brunnhaus wurde - zu Ehren der Brüder Muffat - (Karl August Muffat, ein königlich-bairischer Reichsarchivrat und Historiker (1804-1878) und Franz Karl Muffat) in "Muffatwerk" umbenannt. Nach der Inbetriebsetzung der neuen zentralen Wasserversorgung aus dem Taubenberggebirge wurde das "Muffatwerk" im Jahr 1883 außer Kraft gesetzt. Aus dem "Brunnhaus auf der Kalkofeninsel" entstand ab dem Jahr 1893 Münchens erstes städtisches Elektrizitätswerk, das zu einer High-Tech-Anlage des 19. Jahrhunderts werden sollte. Es war ein kombiniertes Dampf- und Wasserkraftwerk, damit bei geringem Wasserstand des Auer Mühlbachs oder bei Eisgang die gerade erst teuer installierte Straßenbeleuchtung nicht schon wieder ausging.

Der Direktor des früheren Kraftwerks wohnte in einer Villa in der Grünanlage am Isarufer, die zwischen Müllerschem Volksbad, Muffathalle, Auer Mühlbach und Praterinsel liegt. Sie wurde ab 1900 vom Architekten Carl Hocheder geplant. In der Villa waren bis zum Ende des zweiten Weltkrieges Laboratorien der Elektrizitätswerke untergeracht, nach 1945 wurde die im Krieg beschädigte Villa zu einem Mehrfamilienhaus für Angestellte der Stadtwerke umgebaut. Hocheder hat übrigens auch die Entwürfe für die Hauptfeuerwache an der Blumenstraße, die Muffathalle und das Müllersche Volksbad erstellt. Anfang 2007 verkaufte die Stadt München das Haus an den Immobilienmakler Detlev Freiherr von Wangenheim, der hier jetzt absolute Luxuswohnungen entstehen lässt.

Im Jahr 1973 wurde das Muffatwerk aufgelassen. Seit dem 1. Juli 1993 wird die "Muffathalle" als Kultur-Projekt betrieben. Das Innere des einstigen Elektrizitätswerk ist zur multifunktionalen Veranstaltungshalle geworden. Für über sieben Millionen Mark ließ die Stadt das Dampfkraftwerk sanieren, mit einer Umluftanlage, einer modernen Bühne und mit einer technisch anspruchsvollen Licht- und Tonanlagen ausstatten. Spuren der ehemaligen Nutzung wie Isolatoren und Beschriftungen blieben erhalten.

Aktuelle Informationen zur Muffathalle: www.muffathalle.de

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