Eismaschine

An der früheren Spießmühle

An der früheren Spießmühle

unterhalb des Nockherbergs

Spießmühle und Eismaschine Carl von Linde

Der Name "Spießmühle" hält sich bis zum heutigen Tag und reicht bis in das Jahr 1437 zurück, als ein Leonhard Spieß mit seiner Frau Barbara am "Skt. Nicolaitag" Mühlhaus, Garten und Fischgruben von Katharina Nußberger, der "Äbtissin des Klarissinnenklosters" abgekauft hatten. Die Familie Spieß blieb über einhundert Jahre Besitzer auf dem Mahlwerk. Teile der "Spieß-Mühle" wurden später als "Eisfabrik", zur Herstellung von Stangeneis für Wirtschaften und Brauerei, genutzt. Nachdem München keine natürlichen Felsenkeller hatte, musste man sich zur Kühlung vom Bier ( vom 23. April bis 29. September bestand in Bayern allgemein Brauverbot, deshalb musste das ganze Bier vor dem 23. April eingesotten werden) etwas einfallen lassen. Man schnitt z.B. aus Teichen Eisblöcke heraus und brachte diese in die künstlichen Keller im Hang der Au (heute Nockherberg). Die Eismaschine, die Carl von Linde erfand, wurde 1881 von MAN in Augsburg gebaut und mit der Eisenbahn nach München gebracht.

Mehr über Carl von Linde (Von der ersten Kältemaschine zum eigenen Unternehmen) erfahren Sie auf folgenden Seiten: http://web.linde.com/WGAP/chronicle/html/default/admr-5yvh7d.de.0

Die Anlagen der ehemaligen Eisfabrik haben den Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs fast unversehrt überstanden. Die eigentliche Eismaschine wurde in den 60-er Jahren stillgelegt und kann heute noch mit Wasserkraft bewegt werden, ohne dass dabei allerdings Kälte erzeugt wird. Die Anlage am Auer Mühlbach ist die älteste Kältemaschine der Welt, die sich noch auf dem orginalen Standort befindet und steht unter Denkmalschutz.

Unter dem Holzsteg - der die Paulaner-Brauerei und die ehemalige Eisfabrik verbindet - schießt das Wasser des Auer Mühlbachs. Direkt über dem tosenden Wasser, in dem an den Steg anschließenden Holzbau, steht eine schwere Turbine, die durch die Wasserkraft in Fahrt gebracht wird. Eine handgeschmiedete Welle überträgt danach die Kraft in das Maschinenhaus am östlichen Ufer. Hier befindet sich ein fünf Meter großes Schwungrad. Die rot lackierte Maschine ist mit gläsernen Schmierbehältern bestückt. Sie wird von einem armdicken Bolzen auf einem Betonsockel gehalten und scheint für die Ewigkeit gebaut. Ein Schild weist das Patent der Maschinenfabrik Augsburg von 1891 aus, ein zweites den Konstrukteur der Anlage: die Gesellschaft für Lindes Eismaschinen in Wiesbaden.

Für die nachfolgenden Fotos von Edward Beierle bedanken wir uns sehr herzlich bei der Paulaner Brauerei, vor allem bei Dr.-Ing. Johannes Fischer, dem Hauptabteilungsleiter Energieanlagen des Unternehmens:

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